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Krell K300p Phonovorverstärker

Krell K300p

Gute Phonoentzerrer servieren uns die Fähigkeiten von Laufwerk, Tonarm und System. Aber nur die ganz besonderen Phono-Pres lassen bei aller Perfektion die Technik hinter sich und entführen uns in eine andere Zeit. Eine Spurensuche mit dem Krell K300p.

Krell K300p Phonovorstufe

In aller Kürze:
Mit der Krell K300p kauft man eine Entzerrung und Verstärkung für Tonabnehmer, bekommt allerdings eine Zeitmaschine. Und Reisen ins Herz der Musik.

Krell K300p Phonovorstufe


Berlin, Mitte der 1960er Jahre. Die britische EMI wagt sich in das wieder aufgebaute Deutschland. Bisher holte man die Deutschen Künstler der Wahl nach London, nun soll in der Inselstadt aufgenommen werden. Suvi Raj Grubb, einer der wichtigen Produzenten des Labels und Ziehkind des gleichermaßen legendären wie umstrittenen Walter Legge, meint ein Wagnis einzugehen, als er den berühmten George Szell mit dem Radiosinfonieorchester Berlin, einem worldwide noch vollkommen unauffälligen Klangkörper zusammenbringen will. Und tatsächlich zeigt er sich durchaus irritiert von dem sehr traditionell deutsch spielenden Orchester, das so gar nicht in sein gewohntes Klangbild brillanter englischer Ensembles passen will. Weniger scharfkantig agierend, dafür hauptsächlich mit dunklen und gedeckten Farben arbeitend, bieten sie Elisabeth Schwarzkopf für die Vier Letzten Lieder von Richard Strauss ein Bett eher aus schwerem Samt denn aus Seide, lassen ihre wundervolle Stimme umso mehr leuchten, ohne dass sie sich auch nur eine Spur anstrengen muss.

Man hört die noch nicht ganz stimmige Zusammenarbeit in einem teilweise suchenden Duktus des Orchester. Man hat offenbar mitbekommen, dass die klanglichen Erwartungen wohl andere waren. Doch nach dem ersten Ton der Sängerin wandelt sich das Bild, die Musiker biedern nicht mehr an, sondern finden zu ihrer künstlerischen Identität zurück. Diese Aufnahme ist mehr als nur eine grandiose Einspielung eines der innigsten und anrührendsten Stücke, das man sich denken kann. Sie ist ein Stück Zeitgeschichte, ein Dokument der Identitätssuche im Nachkriegsdeutschland, in dem sich außer den Berliner Philharmonikern noch kein anderes Orchester worldwide etabliert hat.

Wenn ich all diese Zwischentöne, Stimmungen und Ahnungen hören kann, die zu den Knochen der bekannten Informationen um diese Einspielung das Fleisch des echten Lebens bringen, ist es klar, dass meine Analogkette in diesem Moment auf einem Niveau spielt, dass jede weitere Diskussion erübrigt.

Krell K300p Phonovorstufe
Macht sich breit: Anders als viele andere Phonovorverstärker kommt der Krell Okay-300p als Vollformat-Komponente mit 44 Zentimetern Breite daher. Die schwarz gebürstete Metallfront mit der mittig platzierten konvexen Ausbuchtung gäbe den Pre auch ohne den Markenschriftzug klar als Krell zu erkennen.

Moment, warfare das schon das Fazit? Nun intestine, ja, ich bin begeistert. Allerdings werde ich auch um dieses knöcherne Verdikt ein wenig Fleisch legen. Das bin ich Krells exzellentem Phono-Entzerrer schuldig.

Rein äußerlich ist die Krell einer der üblichen Boliden, bei denen gar nicht mal so viel Entzerrer in viel Gehäuse gepackt wird. Die Rückseite lässt jedoch vermuten, dass hier ein wenig mehr Aufwand als andernorts betrieben wurde. Ganze acht Mäuseklaviere, vier professional Kanal, machen sich dort breit und ebnen dem analogen Spieltrieb die Bahn: bei MC Systemen hat man die Wahl zwischen vier Verstärkungen, immerhin neun Abschlusswiderstände erlauben mit ihrem Einstellbereich von 10 Ohm bis 47 Kiloohm die perfekte Anpassung an wohl jedes denkbare System. Nutzt man MM, werden aus den neun Widerständen neun Kapazitäten zwischen 0 und 680 pF, immerhin noch zwei Verstärkungsstufen sind jetzt im Rennen.

Im Innern warten zwei getrennte Verstärker auf die anliegenden Signale. Bei Krell glaubt man nicht an die Universalität von Schaltungen und konzipierte völlig unterschiedliche Designs für MM- und MC-Systeme. Bei den zarten MC-Signalen setzt der Hersteller auf eine Kombination aus besonders rauscharmen, parallel geschalteten Transistoren und einem Burr-Brown SoundPlus-OpAmp, um den benötigten hohen Verstärkungsfaktor von bis zu 62 dB vor einem möglichst schwarzen Hintergrund zu erhalten. Für die wesentlich stärkeren Moving-Magnet-Signale sieht Krell eine Verstärkung von maximal 36 dB vor und setzt diese mit einer FET-Doppelschaltung um. Damit die Stromversorgung der hart erarbeiteten Rauscharmut nicht in die Parade fährt, nutzt der K300p hier einen eigens entwickelten, äußerst leisen und stabilen Nachführregler.

So weit, so konsequent, doch allein aus dem Schaltungskonzept heraus lässt die Performance eines solchen Verstärkers nur bedingt erklären. Mit Sicherheit hilft es, dass die gesamte Entzerrung passiv und diskret aufgebaut ist. Sie erreicht auf diesem Wege eine Nähe zur definierten Kurve (die Abweichung zur RIAA-Vorgabe soll an keiner Stelle mehr als 0,2 dB betragen) sowie eine Kanalgleichheit, die diesen Bereich als mögliche Problemquelle ausschließt. Und auch die auf den bewährten und über jede Kritik erhabenen „Krell Current Mode“-Schaltungen basierenden Ausgangsstufen dürften erklären, warum die K300p keine Fehler macht.

Krell K300p Phonovorstufe
An der Rückansicht zeigt sich die bemerkenswerte Flexibilität des Okay-300p: Nicht weniger als acht Mäuseklaviere erlauben eine präzise Parameteranpassung, mit der sich wohl für jeden erdenklichen MM- oder MC-Tonabnehmer die optimalen Betriebsbedingungen einstellen lassen sollten. Im Inneren haben die Krell-Designer übrigens ebenfalls hohen Aufwand getrieben: MM und MC werden jeweils von einem völlig eigenen Verstärkerzug bedient.

An welchem der angeführten Punkte die eigentliche Magie passiert, vermögen wir nicht zu sagen. Senkt sich der Diamant in die Rille, stellt sich der Zauber augenblicklich ein, vergessen ist die Aufzählung der Technik, die zwar viel sagt, jedoch nichts wirklich erklärt.

Wieder Berlin, diesmal knappe 40 Jahre früher. Manfred Gurlitt dirigiert 1929 die Berliner Philharmoniker, der blutjunge Josef Wolfsthal spielt das Violinkonzert von Ludwig van Beethoven. Während das Orchester etwas muffig im Hintergrund des Raumes klingt, hören wir nach den ersten Tönen schon, was für eine unglaubliche Musikerpersönlichkeit hier vor dem Mikrofon agiert. Wolfsthal, 1919 im Alter von nur 20 Jahren zum Konzertmeister der Berliner Philharmoniker berufen, seit 1927 Professor an der Berliner Hochschule für Musik und damit Nachfolger von Joseph Joachim, führt mit Klarheit und Energie durch dieses wundervolle Solokonzert. Immer wieder fasziniert und berührt die Leichtigkeit und menschliche Wärme, mit der er uns an der Hand durch die Partitur führt. Dabei ist sein Interpretationsansatz weit härter und klarer als alles, was seine Kollegen danach aufnahmen. Die Kombination Mullova/Gardiner beispielsweise klingt deutlich romantischer. Nein, bei ihm entsteht diese kristalline Klarheit nicht aus einem unbedingten Gestaltungswillen, sondern entspringt einer inneren Logik, die keinerlei weitere Eingriffe benötigt. Daher können gestalterische Härte und menschliche Wärme gleichberechtigt nebeneinander stehen und sich gegenseitig bereichern. Ganz im Ernst: besorgen Sie sich diese Aufnahme. Trotz aller technischer Unzulänglichkeiten, die den Klangeindruck trüben können, werden Sie bei wieder eine andere Einspielung benötigen.

Auch hier sorgt die Krell dafür, dass ich die Aufnahme, das Setup, die Umstände, den Alltag vergesse, der heutigen Welt abhanden komme und mich einem Künstler nähere, der leider schon so lange tot ist (Wolfsthal starb übrigens im Alter von nur 31 Jahren an einer Lungenentzündung).

Gleiche Erlebnisse habe ich, wenn ich mit in die Carnegie Hall zu Harry Belafonte, in die Berliner Philharmonie zu Simon Rattle, in die Royal Festival Hall zu John McLaughlin versetzen lasse. Dabei spielt sich die k300p nie in den Vordergrund, bleibt immer nur dienstbarer Geist. Wenn man ihr bei aller Akkuratesse doch einen eigenen Charakter zuschreiben möchte, würde ich ihr einen etwas heat gefärbten Tonfall attestieren, der allerdings nichts mit den trüben Boudoirs mancher Röhrenkonstruktionen zu tun hat. Nein, es sind immer noch Transistoren und es ist immer noch Krell. Kein Vertun.

Im täglichen Umgang ist die k300p ein Freudenspender ohne besondere Ansprüche. Ein besseres Netzkabel (in meinem Fall von Vovox) brachte etwas mehr Weite in Klangbild. Besondere Füße unter der Vorstufe kann man sich hingegen sparen, ich konnte keine klanglichen Unterschiede entdecken. Die angeschlossenen Systeme sind in Windeseile angepasst, denn die klangliche Durchlässigkeit sorgt dafür, dass exemplarisch leicht zwischen „passt“ und „passt nicht“ unterschieden wird. Meine diversen Abtaster von Clearaudio (Talisman, Stradivari V2), Ortofon (Vienna, Jubilee) und Denon (DL103 im Aluminium Body) fühlten sich während der gemeinsamen Zeit samt und sonders pudelwohl.

Kein Frage, 8500 Euro sind eine echte Ansage für eine Phonovorstufe. Doch komme ich nicht umhin, dieses Gerät jedem wärmstens ans Herz zu legen. Denn die Krell k300p bietet Erlebnisse, die man woanders weder für Geld noch gute Worte bekommt.

Krell K300p Phonovorstufe

Info

Phonovorverstärker Krell Okay-300p

Konzept: dualer Phonoentzerrer mit zwei diskreten, unabhängig einstellbaren Verstärkerzweigen
Eingänge: 1 x Moving Coil, 1 x Moving Magnet (beide Cinch)
Ausgänge: 1 x Cinch, 1 x XLR
Verstärkung: 44/50/56/62 dB (MC); 30/36 db (MM)
Abschlussimpedanz: 10/25,5/47,5/100/249/475/825 Ω, 1/47 kΩ (MC); 47 kΩ (MM)
Abschlusskapazität: 0/10/20/47/100/220/330/470/680 pF (MM)
Frequenzgangabweichung: ±0,2 dB (RIAA)
Maße (B/H/T): 44/11/29 cm
Gewicht: 5 kg
Garantiezeit: 2 Jahre (5 Jahre nach Registrierung)
Preis: um 8500 €

Audio Reference GmbH

Alsterkrugchaussee 435
22335 Hamburg
Telefon +49 40 53320359

www.audio-reference.de

Mitspieler

Plattenspieler: Transrotor Apollon TMD mit SME 5, SME 3012 u. a.
Tonabnehmer: Clearaudio Talisman und Stradivari V2, Ortofon Vienna und Jubilee, Denon DL-103
CD-Player: Mark Levinson No. 390S
DAC: Merging Technologies
Vorverstärker: Crane Song Avocet
Endverstärker: Digitalendstufe auf ICE Power basierend, Accuphase P-4200
Vollverstärker: Lavardin IT
Lautsprecher: Spendor Classic 3/5, Wilson Audio Sasha DAW
Kabel: u. a. Vovox

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JBL 4305P

JBL 4305P

So klein, so sensible und schon so blau – eine Spurensuche. Und warum diese Farbe im Fall der JBL 4305P kein falsches Zitat ist.

JBL 4305P

In aller Kürze:
Auspacken, anschließen, fertig. Es ist quick zu schön, um wahr zu sein: Die kleinen JBL 4305P spielen sich nicht nur klanglich, sondern auch durch ihre Pflegeleichtigkeit weit nach vorn.

JBL 4305P


JBLs klassische wie riesige Monitore sind mit ihren geriffelten Papiermembranen, Waveguides und – natürlich – blauen Fronten in der Studio- und HiFi-Welt nichts weniger als Ikonen. Damit hat der Hersteller etwas geschafft, wonach sich andere Manufakturen alle Finger lecken. Meine Neugierde battle entsprechend groß, als mir ein kleiner neuer Home-Studio-Monitor zum Test angeboten wurde. Die Rubrizierung der kompakten Aktiven ist zwar ein Begriffskonglomarat, das sich in sich beißt, mein Wissen um den Profihintergrund des Herstellers ließ allerdings Gutes hoffen.

Nun stehen sie hier, die erschreckend kleinen JBL 4305P, und sehen mich mit ihren kleinen Hochtonhörnchen herausfordernd an. Sie stehen für eine neue Spezies, die es vor kurzer Zeit noch gar nicht gab und die sich so schlecht in die althergebrachten HiFi-Schubladen stecken lässt: Ein kleiner Lautsprecher mit zumindest teilweise professionellem Anspruch und entsprechenden optischen Anleihen, zugleich wohnzimmertauglich, als Aktivmonitor dem highfidelen Spieltrieb trotzend und dank internem D/A-Wandler und Netzwerkkompatibilität mit wirklich allen erdenkbaren Quellen ansteuerbar. Bei dem noch halbwegs freundlichen Preis fragt man sich dann doch, ob das alles gutgehen kann.

JBL 4305P
Na, welche Erinnerungen weckt dieser Anblick bei Ihnen? JBLs kleine Aktive orientiert sich an der legendären Optik der amerikanischen Lautsprecher und liegt damit voll im Retro-Trend. Einen unübersehbaren Unterschied zu den alten Vorbildern gibt es jedoch: Die 4305P besitzt einen Power-Taster, Pegelsteller und Eingangswahl – praktischerweise alles direkt an der Front. Diese Bedienelemente suchen Sie bei den Vintage-Originalen vergeblich …

Bei genauerer Betrachtung halten die kleinen 4305P tatsächlich, was ihre blaue Front verspricht. Ein einzölliger Druckkammertreiber lauert hinter dem klassisch geformten Hornmund, der zwangsläufig etwas kleinere Tiefmitteltöner besteht natürlich aus Papier, und die eingeprägten Ringe zur Versteifung dürfen natürlich auf nicht fehlen. So weit, so intestine. Im Innern der Box tummelt sich in hoher Packungsdichte alles an aktueller Technologie, was der Harman-Konzern zu bieten hat, und sorgt gleich zu Beginn der Durchsicht für große Freude: Oft handelt es sich bei solchen Aktivlautsprechern in Wahrheit um passive Konstruktionen, bei denen ein interner Monoverstärker eine passive Weiche ansteuert. Sieht von außen aktiv aus, ist es aber nicht. Hier hingegen kümmern sich zwei eigens konfigurierte Class-D-Verstärker um die beiden Chassis und werden von einem DSP als Weiche beschickt. Die Trennfrequenz von guten 1700 Hertz lässt neugierig werden, wie intestine die kleine JBL denn mit Stimmen umzugehen vermag.

Rückseitig unterscheiden sich die beiden Monitore deutlich, gibt es doch einen Hauptlautsprecher und einen Sklaven, der mittels eines CAT-Kabels verbunden wird. Per Funk geht es auch, allerdings sinken dann die Datenraten, und so haben wir uns entschieden, bei den Kabeln zu bleiben. Denn die JBL soll sich ja bestmöglich präsentieren können.

JBL 4305P
Gar nicht so einfach, sich auf dem wuseligen Anschlussfeld zurechtzufinden. Das alle Zugänge an der linken Box liegen (die darf natürlich auch rechts betrieben werden), weist allerdings in eine falsche Richtung: Sie ist lediglich der Eingangskontrolleur. Grundsätzlich sind beide 43er identisch ausgestattet – mit eigenem D/A-Wandler und Verstärkermodul.

Wenden wir uns der Hauptbox zu, erfahren wir, was man bei JBL meint, wenn einem gesagt wird, dass dieser Lautsprecher „in sehr viele Umgebungen integrierbar“ sei. Es geht schlicht alles. Ganz konventionell können wir die 4305P analog beschicken, XLR und Klinke sind möglich. Wenn man es ganz böse treiben möchte, kann man sogar das Handy per Miniklinke anleinen, was wir allerdings nicht mehr ausprobiert haben. Es gibt Grenzen. Weiter geht es mit einem digitalen (optischen) Toslink-Eingang, über den beispielsweise ein CD-Laufwerk Anschluss findet. Daneben gibt es noch eine USB-Buchse, die Computern Zugang gewährt. Natürlich gibt es auch einen Ethernet-Zugang, WLAN und Bluetooth sind aber auch möglich. Am Ende sind wir allerdings noch nicht, denn die kleinen JBLs können auch über einen entsprechenden Ausgang Subwoofer beschicken. Man kann weiterhin den Bass mittels eines kleinen Schalters absenken, falls die Box doch einmal in einem Regal residieren sollte, und zu guter Letzt schalten, ob die Masterbox denn nun hyperlinks oder rechts stehen soll. Im Karton findet sich übrigens wirklich alles, was man benötigt, um diese Lautsprecher in Betrieb zu nehmen. Alle nötigen Kabel und eine Fernbedienung sind an Bord.

Erste Hörversuche habe ich ganz konventionell über XLR-Kabel gewagt, mein Crane-Song-Vorverstärker bildete dafür das Herz der Anlage, Signale kamen vom Mark Levinson No. 390S und einem Transrotor Apollon.

JBL 4305P
Der Gehäuseschnitt offenbart die beiden Treiber der 2-Wege-Box sowie einen der jeweils zwei Flow-Ports. Einen gewissen Grad an Kreativität können wir der Wandler- und vor allem der darunter gelegenen Verstärkerplatine attestieren – die scheint mit ihren robusten Kühlern die Rolle des Raumtrenners zwischen den Treibern zu erfüllen.

Nun ist es Zeit, die weiter oben gestellte Frage, ob das denn alles intestine gehen könne, zu beantworten. Nach wenigen Sekunden fällt die Antwort sehr leicht: Ja – ohne Wenn und Aber! Elisabeth Schwarzkopf macht den Anfang mit den Vier letzten Liedern von Richard Strauss (Angel LP 36347). Schon zu Beginn des „Frühlings“ ist alles da, Schwarzkopf beginnt leise in einer tiefen, eher unangenehmen Lage „in dämmrigen Grüften“ und schwingt sich binnen weniger Takte auf zu kristallklaren Höhen, Baumwipfeln und Vogelgesang. Diese immensen Registerwechsel sauber darzustellen und gleichzeitig die Sängerin klar vor dem dunkel timbrierten Orchester (Radiosinfonieorchester Berlin unter George Szell) zu platzieren, ist ein Kunststück, bei dem auch größere und teurere Kollegen einknicken. Die kleinen JBLs begeistern hier mit einem weiten Raum, einer ziemlich guten Einteilung der Schallereignisse und vor allem einem minutiösen Nachzeichnen der Farbwechsel in Schwarzkopfs Stimme. In den Höhen werden glücklicherweise scharfe Töne vermieden, die bei dieser Aufnahme leicht das Vergnügen beeinträchtigen können. Also erst einmal ein Einstand nach Maß. So aus dem Stand nach nur minimaler Zuwendung bei der Aufstellung gelingt das nur wenigen.

JBL 4305P

Nun gebe ich mir doch etwas Mühe und platziere nach einigen Versuchen die beiden Lautsprecher einen guten Meter von der Rückwand entfernt und gerade nicht ganz auf den Hörer eingewinkelt. Ich denke mal, 30 Grad dürften es sein. Immer noch von der genannten Anlage über Vovox-Kabel versorgt, geht jetzt so richtig die Sonne auf. Das kompakt aufgebaute Orchester bei Rossinis Reise nach Reims (Claudio Abbado, Berliner Philharmoniker, Sony-CD) wird jetzt quick millimetergenau zwischen den Boxen abgebildet, man kann jeden kleinen Einwurf der Holzbläser, jeden kurzen Wirbel der Pauken exakt zuordnen. Dabei, und jetzt fällt mir ein Stein vom Herzen, zerbricht das Gesamtbild nicht zugunsten dieser Detailliebe. Ja, der Monitor ist explizit auch für non-public Habitate gedacht, daher gönnt er jedem Signal auch eine gewisse Verbindlichkeit, die alle einzelnen Pinselstriche zu einem schlüssigen Bild zusammenführt.

Jetzt noch ein Test aus der anderen Welt. Die Masterbox hängt per CAT-Kabel am Router, auf dem Handy ist Google Home installiert, um die Böxchen mittels Chromecast in die rein digitale Welt zu führen. Die Installation ist auch ohne Bedienungsanleitung über die zwei Knöpfe an der Front des Hauptlautsprechers und wenige Schritte in der App schnell erledigt, und schon nach wenigen Momenten kann ich Musik by way of Tidal oder Qobuz (klanglich die unbedingte Empfehlung, ein kleiner Gutschein dafür liegt bei) genießen. Ich kann es kaum glauben, wie schnell und einfach das ging.

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Jetzt führt der Weg von Dead Can Dance über Schuberts Forelle zum letzten, posthum veröffentlichten Album von Prince. Auch hier wieder das gleiche Bild. Die JBLs gehen mit Detailliebe, vor allem aber satten Farben und einem scheinbar ungezwungenen Zugang zur Musik vor. Man kann viele Details hören, muss sich aber nicht darauf konzentrieren, was ich für eine extrem gelungene Abstimmung halte. Offenbar ist die Weiche bestens konfiguriert, sind die beiden Verstärker (125 Watt für den Bass und komplett rauschfreie 25 Watt für den Hochtöner) optimum an die Chassis angepasst. Also nichts zu meckern? Okay, es wäre schön gewesen, die ganz klassische Version in Nussbaum hier zu haben. Dann hätte nämlich auch der Bespannungsstoff in edlem Blau beglückt.

Auch wenn die JBL 4305P bei mir zuerst in einem größeren Raum spielten und auch da schon überzeugten, fühlen sie sich in kleineren Zimmern hörbar wohler. Möchte man sich auf das Streaming beschränken, reichen zwei gute Ständer, zwei Netzkabel und zwei CAT-Leitungen, damit eine komplette, hochkompetente Anlage steht. Und so sorgenfrei die JBLs schon nach dem Auspacken aufspielen – gönnen Sie ihnen ein wenig Zuwendung. Jeder zusätzliche Aufwand wird klanglich reich belohnt.

JBL 4305P

Info

Aktivlautsprecher JBL 4305P

Konzept: 2-Wege-Bassreflex-Aktivmonitor mit DAC und Streamingfunktion
Eingänge digital: Ethernet, 1 x USB B (asynchron), 1 x Toslink (optisch)
Eingänge analog: ¼-Zoll-Klinke/XLR Kombi, 3,5-mm-Stereoklinke
Verbindungen drahtlos: WLAN, Bluetooth
Ausgänge: 1 x Subwoofer, „DigiLink“
Bestückung: 130-mm-Tiefmitteltöner, Hochtöner mit 25-mm-Druckkkammer-Treiber
Ausführungen: Schwarz, Nussbaum
Maße (B/H/T): 21/24/22 cm
Gewicht: 7/6 kg (Master/Slave)
Garantiezeit: 5 Jahre
Preis: um 2200 €

Kontakt

Harman Deutschland GmbH
Parkring 3
85748 Garching bei München
Telefon +49 30 22957806

de.jbl.com/premium-audio

Mitspieler

Plattenspieler: Transrotor Apollon TMD mit SME 5, SME 3012 u. a.
CD-Player: Mark Levinson No. 390S
DAC: Merging Technologies
Vorverstärker: Crane Song Avocet
Endverstärker: Digitalendstufe auf ICE Power basierend, Accuphase P-4200
Vollverstärker: Lavardin IT
Lautsprecher: Spendor Classic 3/5, Wilson Audio Sasha DAW

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Transrotor Max Nero

Transrotor Max Nero

„Wir brauchen die Dunkelheit genauso wie das Licht. Denn nur in tiefster Finsternis erkennen wir den Trost und den Glanz, welchen uns auch ein kleines Licht schenken kann. Ohne die Dunkelheit wäre das Licht nichts, wir würden es gar nicht erkennen, es wäre ja zu hell.“ (Mein Dorfpastor in einer Schulmesse)

Transrotor Max Nero

In aller Kürze:
In Kombination erreicht der Transrotor Max Nero mit seinem Laufwerk, Arm, System und Netzteil ein Niveau, das nicht nur an den größeren Modellen knabbert, sondern an deren Stuhl sägt.

Transrotor Max Nero


Als Pubertierender geht man angesichts dieser Worte von hochgradigem Weihrauchmissbrauch aus, vielleicht struggle auch noch einiges an Messwein übrig … Heute, ein Dreiviertelleben später, fällt es einem wie Schuppen von den Augen und man gewinnt seine eigene Erkenntnis aus den warmen Worten des alten Pastors.

Akustisches Pendant zur Dunkelheit ist die Stille. Diese kann gemeinhin unheimlich sein, bedrückend, unheilvoll. Doch ebenso bietet sie Trost, Entspannung, Erdung. Sie kann Hintergrund oder Bühne sein, auf der Musik lebendig wird.

Transrotor Max Nero
Der Hauptunterschied zwischen dem bekannten Transrotor Max und dem Nero ist der Plattenteller, der hier statt aus Aluminium aus Polyoxymethylen (POM) besteht. Wer genau hinsieht, kann im Zentrum des Tellers eine feine Vertiefung erkennen, deren Tiefe der Stärke eines Plattenlabels entspricht. Das stellt sicher, dass die Schallplatte so eben aufliegt wie möglich.

Es ist diese Stille, die zuerst auffällt. Nimmt man einen Transrotor Max Nero in Betrieb, vernimmt man kein Rauschen, nicht den Hauch eines Knackens. Nichts kommt – selbst bei versuchsweise voll aufgedrehtem Regler – aus den Boxen. Das kenne ich in dieser Ausprägung von keinem anderen Plattenspieler, der mir in den letzten zwanzig Jahren in die Finger kam. Tauscht man regelmäßig das Equipment und spielt ständig an den Kabeln herum, brummt immer irgendwas. HiFi-Geräte sind halt kein Bühnenequipment.

Um ehrlich zu sein, hatte ich mit einer Diva gerechnet, die mit Samthandschuhen und Uhrmacherwerkzeug bei angehaltenem Atem montiert werden möchte. Geliefert haben die Bergisch Gladbacher eine Fast-Plug’n’Play-Konfiguration, deren Preis sich noch gerade im Rahmen bewegt, deren Klasse hingegen weit darüber hinausgeht. Der Nero basiert auf dem seit intestine fünf Jahren bewährten Max mit seinem Teller aus Aluminium, der mir als feines Laufwerk mit stabilem Fundament, gutem Durchzug sowie zackigem Timing im Hirn blieb. Nur mit sehr filigranen MCs eventuell eine kleine Prise zu frisch an meiner damaligen Anlage. Da sich die Räkes immer etwas dabei denken, wenn sie ihre Geräte überarbeiten, bin ich entsprechend gespannt, wie sich der Max Nero in meiner Umgebung verhält.

Transrotor Max Nero
Kommt Ihnen bekannt vor? Als Tonarm kommt in dem von uns getesteten Exemplar ein RB880 von Rega zum Einsatz. Und wieso auch nicht – der britische Hersteller genießt in diesem Bereich nicht umsonst einen herausragenden Ruf. Dank der innenliegenden Masseführung kann das beigelegte Erdungskabel im Karton bleiben – die Musik breitet sich vor einem rabenschwarzen Hintergrund aus.

Das Kniffligste am Aufbau ist, die einzelnen Trabanten sowie das Laufwerk aus der Verpackung zu schälen. Man merkt direkt, dass die Bergisch Gladbacher auf Nummer sicher gehen. Die Laufwerke verlassen Transrotor mit penibel montierten Arm-System-Kombinationen, damit der Endverbraucher ein absolut „highendiges“ wie perfekt spielfertig justiertes Gerät erhält. Planen Sie additionally eine knappe Stunde zum Auswickeln und nochmal zehn Minuten für den Aufbau ein. Ansonsten ist der Aufbau auch für Laien kein Hexenwerk. Die Basis lässt sich über die Stellfüße perfekt austarieren und in die Horizontale bringen. Das Tellerlager ist ab Werk derart verkapselt montiert und so intestine mit Öl versehen, dass Wartungsarbeiten bei Familie Räke eher zu den exotischeren Aufträgen gehören. Tellerlager gehen bei Transrotor eher selten kaputt. Nachdem der Teller mit einem satten Schmatzen auf seine Aufnahme gerutscht ist, muss man noch die zwei Trabanten aus Motor und Netzteil frei drumherum gruppieren, den Riemen um Teller und Motor-Pulley werfen, und fertig ist die Laube. Gut, könnte man machen, wird der Sache aber nicht gerecht. Wer in stillen Nächten ganz genau hinhört, findet sicher auch, dass ein Cello, hier für uns von Yo-Yo Ma gespielt, runder, körperhafter, nochmals etwas natürlicher wirkt, steht der Motor auf ungefähr elf Uhr.

Transrotor Max Nero
Der Transrotor Max Nero gibt sich kein bisschen Kapriziös – ganz im Gegenteil ist er schön anfängerfreundlich. Die größte Herausforderung stellt sich für frischgebackene Besitzer beim Auspacken der sorgfältig in den Karton sortierten Komponenten. Aufbau und Einstellung gehen dank vormontierter Tonarm-System-Kombi auch Vinyl-Einsteigern leicht von der Hand.

Der Riemen darf den Teller dabei nur so schwach ziehen, dass eine Plattenbürste die Scheibe quick stoppt. In meinem Fall steht der wuchtige Knubbel des Konstant-Netzteils direkt unter dem Tonabnehmer, da die Nadel des Merlo ansonsten doch sehr exponiert und frei in der Luft hängen würde. Jetzt ruht der Handballen während der Nadelpflege stabil auf dem Deckel des Konstant. Der Deckel fungiert gleichzeitig als Schalter für die gewünschte Umdrehungszahl. Eine kleine Einbuchtung lässt dabei den eingravierten Wert erkennen. Über ein kleines Loch im Deckel kommt man an das zur Stellung gehörige Poti, sollte eine Justierung der Drehzahl irgendwann einmal nötig werden. Der dazu zwingend nötige Schraubendreher findet sich ebenso im Lieferumfang wie ein sackschweres Plattengewicht aus Stahl samt graviertem Logo. Das beiliegende Kabel für die Masse des Tonarms darf, wer sich für den Rega RB 880 entscheidet, im Karton lassen, da der Rega-Arm die Masse über die Signalkabel führt. Auch oder gerade wegen dieser nicht alltäglichen Lösung generiert der Max Nero im Leerlauf eine absolute Ruhe, diese rabenschwarze Leinwand, die ich eingangs erwähnte. Doch senkt man die Nadel des Merlo in geschnittenes Vinyl, gehen die Lichter an.

Ungeachtet dessen, ob ein Stadion, große Konzertsäle oder eine Kapelle in den Tiroler Alpen in den Rillen konserviert wurden, es interessiert den Max Nero nicht groß. Wo der Begriff Masselaufwerk eine gewisse Gemütlichkeit suggeriert, beweist Max überraschende Agilität. Gelassen entwirrt er die komplexen Läufe in John Butlers „Ocean“, hält der aufkommenden Brandung stand und zerstäubt die Gewalten zu sprühender Gischt. Zwar hängt mir die Platte etwas zu den Ohren raus, doch ist die Aufnahme eine Wucht. Was der Max Nero hier aus leicht abgenutztem Vinyl zu destillieren vermag, trifft auch nach 15 Jahren noch ins Herz wie am ersten Tag.

Transrotor Max Nero
Die Mischung macht’s: Der Transrotor Max Nero ist eine aus einem ausgeklügelten Materialmix gemeißelte Klangskulptur: Je nach Baugruppe kommt hier Aluminium, Stahl oder – beim Nero besonders outstanding – POM zum Einsatz. Wer beim Gedanken an ein Masselaufwerk eine gewisse Trägheit im Klang erwartet, wird positiv überrascht: Der Nero hängt erfreulich intestine am Gas.

Was das Durchzugsverhalten und die Attacke angeht, verhält sich der Transrotor Max Nero trotz der ganzen Masse einem leichtgewichtigen Brettspieler gar nicht so unähnlich. Man sollte lediglich vermeiden, mit Tellerauflagen zu experimentieren. Ob Carbon, Leder, Filz oder Gummi, immer weichte die Auflage die Attacke auf und nahm einiges an musikalischem Fluss raus. Funky Basslines und elektronisches Geplucker der Gebrüder Kalkbrenner schnappt sich der schwarze Max, wirft sie locker über die Schulter und tanzt Sirtaki zu den Dancegrooves. Wieso geht dieses Laufwerk, dessen Design irgendwo zwischen einer Insel mit drei Bergen und einem Stealth-Bomber liegt, trotz eindeutigem Übergewicht im Vergleich zu meinen Laufwerken ab wie gerade erwähnter Düsenjet? Ein Sumo taugt ja auch kaum als Sprinter. Es könnte am Zusammenspiel der gewählten Materialien liegen. Dirk Räke setzt für die Basis und die Gehäuse der Trabanten auf Alu, Stahl kommt am Lagerdorn und den beiden Auslegern für die Armbasis zum Einsatz. Den Teller fräst man neuerdings – statt wie beim Max aus Alu – für den Nero aus einem extrem zähen und stabilen Kunststoff mit dem unaussprechlichen Namen Polyoxymethylen, kurz POM. Findet sich auch im Motor meines E-Bikes, und was da hält, kann schlecht nicht sein.

Die beruhigende Wirkung dieses Kunststoffs auf die umgebenden, doch recht kühl klingenden Metalle drumherum scheint mir der eigentliche Clou des Max Nero zu sein. Praktischer Nebeneffekt für den Produktionsprozess ist, dass es Kunststoffe wie POM bereits komplett durchgefärbt und dabei in höherer Qualität gibt, als es mit Metall in dieser Konstanz mach-, doch zumindest am Standort Deutschland auf keinen Fall bezahlbar wäre. Der Ausschuss wäre bei den herrschenden Qualitätsansprüchen im Hause Transrotor einfach zu hoch. Da der Rohling eh in der CNC-Maschine steckte, wurden gleich noch die passende Vertiefung für das Plattenlabel sowie eine kleine Stufe in den Rand des Tellers gefräst. Sinn der erstgenannten Maßnahme ist eine möglichste aircraft Auflagefläche fürs Vinyl, das sich dank der kleinen Stufe auch im laufenden Betrieb umdrehen lässt. Macht man allerdings selten, da das satte „Klack“, mit dem der Wahlschalter des Konstant einrastet, dem nicht völlig erwachsenen Nutzer mit jedem Mal das gleiche Grinsen ins Gesicht zaubert – als hätte ein zwar grimmig blickender, doch freundlich einen „geilen Abend“ wünschender Konzertkartenentwertungsbeauftragter simply den Einlass zur Depeche-Mode-Aftershowparty freigegeben.

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Dieses Kribbeln, das unmittelbar vor einem Livekonzert an den Synapsen zupft, das Rückenmark rauf und runter vibriert, lässt sich gemeinerdings in meiner Hütte mit den gegebenen Mitteln nur homöopathisch reproduzieren. Doch statt anthroposophisch verdünntem Placebo kuriert die kleine Bohrinsel aus Bergisch Gladbach meine durch fehlende Livemusik-Infusionen entstandenen mentalen Defizite mit einem Schluck aus der Pulle von Cletus Spuklers bestem Moonshine. Jap, das Zeug brennt, macht blind, öffnet allerdings Koronargefäße und Ohren wie ein Rohrreiniger auf Chlorbasis. Stationen eines lauschenden Abends waren Onkel Pös Carnegie Hall, Zappa in Saarbrücken, danach kurz nach Tokyo zu den Scorpions, und des ökologischen Fußdrucks wegen, man struggle eh in der Nähe, eine Runde Clapton im Budokan. Besonders Livekonzerte liegen dem Max, es muss nicht zwingend Rock oder Blues sein. Mit dem Merlo MC hat Dirk Räke ein vortreffliches Händchen in der Wahl eines geeigneten Systems bewiesen. Dank des rabenschwarzen Hintergrunds, den das Laufwerk generiert, strahlt das Licht des Merlo bis in die hinterste Ecke der imaginären Bühne, verleiht dem durchaus stämmig, dabei immer zackig spielenden Laufwerk eine urtümliche Energie, ähnlich der eines Vollwaschgangs beim Wellenreiten. Trotz aller Schnellkraft und des kraftvoll-drahtigen Fundaments gelingt dem Max Nero der Ritt auf dem Drahtseil. Die Kraft und Dynamik exponierter Masselaufwerke verbindet sich in Transrotors neuem Einsteiger-Laufwerk mit der leichtfüßigen Eleganz englischer Brettspieler. Die Noten in Georg Kreislers „Telefonbuchpolka“ purzeln nur so aus den Lautsprechern, wieseln die Klaviatur erst rauf, dann runter. Hart im Anschlag, im Nachklang knackig und dennoch genauso voll und körperhaft, wie ein Piano gefälligst zu klingen hat. Unbeeindruckt von Kreislers Ritt durch das Namensverzeichnis sortiert der Max Nero sämtliche zungenbrechenden Varianten des Buchstabens V auch für Nichtösterreicher mit der nötigen Balance aus Wiener Schmäh und Sarkasmus schön in Reih und Glied, ohne die Spielfreude des Grandseigneurs zu verwässern.

In Kombination erreichen Laufwerk, Arm, System und Netzteil ein Niveau, das an der Klasse der großen Modelle nicht nur knabbert, sondern ganz schön an deren Stuhl sägt. Als Händler würde ich den Transrotor Max Nero nicht direkt neben einem der noblen Modelle platzieren. Fragen über den Sinn von teureren Möglichkeiten der Schallplattenwiedergabe wären vorprogrammiert.

Transrotor Max Nero

Info

Plattenspieler Transrotor Max Nero mit Tonarm Rega RB 880 und Tonabnehmer Transrotor Merlo

Konzept: riemengetriebenes Masselaufwerk
Antrieb: geregelter Gleichlaufmotor
Material: Aluminium, Polyoxymethylen, Edelstahl
Teller: 40-mm-POM-Teller
Drehzahl: 33 oder 45 U/min
Besonderheiten: zweite Armbasis möglich
Maße (B/H/T): 46/15/36 cm
Gewicht: 20 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis Testmodell: um 4830 € (inkl. Tonarm Rega RB 880 und Tonabnehmer Merlo MC, Laufwerk um 2800 €)

Tonabnehmer Transrotor Merlo

Konzept: Low-Output-MC
Nadelschliff: Harmonic
Auflagekraft: 1,8 g
Ausgangsspannung: 0,5 mV
Frequenzgang: 20 Hz bis 30 okHz
Gewicht: 5,7 g
Preis: um 800 €

Kontakt

Räke Hifi/Vertrieb GmbH
Irlenfelder Weg 43
51467 Bergisch Gladbach
Telefon +49 02202 31046

www.transrotor.de

Mitspieler

Plattenspieler: Acoustic Solid Vintage
Tonarm: Acoustic Solid WTB 213
Tonabnehmer: Clearaudio Charisma V2, Ortofon Quintet Red
Phonovorverstärker: Acoustic Solid Phonovorverstärker
CD-Player: Sony CDP-XA 777ES Swoboda
D/A Wandler: Audiolab M-DAC Mini
Vollverstärker: Einstein The Tune, Magnat MA 900, NAD C 302
Endverstärker: Lehmann Black Cube Stamp
Lautsprecher: Audio Physik Seemon, Heco BellaDonna
Zubehör: Steinmusic, Simply Analog

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iFi Neo Stream

iFi Neo Stream

iFi Audio haben ihre Neo-Serie erweitert und mit dem brandneuen Neo Stream auch gleich mal das Streaming selbst neu erdacht.

iFi Neo Stream

In aller Kürze:
Der iFi Neo Stream magazine keine Revolution darstellen, er kombiniert jedoch alle heute gängigen Klangveredelungen zu einem verführerischen erschwinglichen Komplettpaket.

iFi Neo Stream


Seit gerade mal zehn Jahren gibt es iFi Audio, und es brauchte nicht mehr als dieses eine Jahrzehnt, um die digitalaffinen HiFi-Liebhaber von den pfiffigen Produkten zu überzeugen. iFi steht für „intelligente Fidelity“, additionally durchdachte Lösungen für Klangbesessene, die nicht mal allzu teuer sein müssen. Mobilisten erfreuen sich an den Wandlern und Kopfhörerverstärkern im Hosentaschenformat, Highender lieben die Edelgeräte der Pro-Serie. Die noch junge Neo-Serie rangiert innerhalb des Portfolios im Mittelfeld, wobei in puncto Klangqualität und Funktionalität auch Anspruchsvolle auf ihre Kosten kommen sollen. Neo-Debütant struggle der vielseitige Wandler iFi Audio Neo iDSD dem sich im Herbst 2022 der Neo Stream zugesellte, ein Netzwerk-Streamer mit integriertem DAC. Der Neue im Programm, der sich heute der In-Ohrenscheinnahme stellt, kostet rund 1300 Euro und stellt trotz Ähnlichkeit zu seinem Geschwisterchen eine grundlegende Neuentwicklung dar. Tatsächlich behaupten die Briten mit stolzgeschwellter Brust, das audiophile Streaming neu gedacht und mit dem Neo Stream einen Netzwerkspieler ohnegleichen geschaffen zu haben.

iFi Neo Stream
Der Streamer kommt mit wenigen Bedienelementen aus, die wichtigsten Einstellungen lassen sich aber einigermaßen bequem über die Funktionstaste und den großen Dreh-/Druckgeber, der auch als Lautstärkeregler dient, vornehmen. Die USB-C-Buchse dient dem Anschluss von Speichermedien.

Viel im Angebot

Der Neo Stream soll als „Ultra-HiRes“-Streamer verstanden sein, und tatsächlich unterstützt der in England ersonnene und in China aus Top-Bauteilen (TDK, Panasonic, Texas Instruments and so forth.) montierte Netzwerker PCM bis 32 bit/768 kHz, alle DSD-Formate sowie DXD. Hinzu kommt ein MQA-Decoder. Er streamt erwartungsgemäß über LAN oder holt sich die Dateien von angeschlossenen Datenträgern – hierfür hat er einen USB-3-Port sowie einen USB-C-Anschluss. Alternativ gibt’s natürlich auch WiFi. Dann bedarf es allerdings eines stabilen 5-GHz-Signals – was den freut, der es hat.

Der Neo Stream ist ein Gerät, das sich sehr gerne vernetzt und von britischer Eigenbrötelei gar nichts hält. Streaming by way of Spotify, YouTube Audio und Tidal ist ab Werk unkompliziert machbar, Roon prepared ist der Brite auch, und selbstverständlich streamt er Dateien vom NAS sowie von angeschlossenen Datenträgern. Jede DLNA/UPnP-kompatible App wie die von mir bevorzugten Audirvana und BubbleUPnP ist fähig, den Streamer zu steuern. Einer speziellen Steuersoftware bedarf es additionally nicht. Die bietet iFi gleichwohl an und es sprechen gute Gründe für die Nutzung dieser App – dazu später.

iFi Neo Stream
Dichtgedrängt die vielen Anschlüsse und Ausgänge des Neo Stream: AES/EBU, S/PDIF, Toslink, USB DAC, USB DATA, I2S, RJ45, M12 und der Eingang für die optische LAN-Verbindung.

Damit die Steuerung des Neo Stream auch vollumfänglich gelingt, geschieht die Ersteinrichtung vollständig am Gerät. Außerdem lassen sich elementare Einstellungen wie die Auswahl der Ausgänge oder eines der vier Digitalfilter über einen Funktionstaster und den großen Encoder vornehmen. Der kleine, aber sehr scharfe OLED-Bildschirm und das intestine strukturierte Menü erleichtern die Einstellarbeit spürbar. Die mit vielen Bildern und sehr wenigen Worten auskommende Kurzeinleitung fasst alle relevanten Einstellszenarien zusammen, und alles wäre wunderbar, wenn das Testgerät sich zu Anfang nicht als kapriziöses Persönchen erweisen würde: Der Neo Stream will sich am ersten Tag partout nicht ins heimische Netzwerk einbinden lassen – weder kabelgebunden noch drahtlos. Vielleicht kämpft der wackere Brite gegen einen fiesen Elektrolurch, der ihm den Zutritt zu meinem Netzwerk verwehrt? Zum Glück kommt anderentags alles in beste Ordnung und der Neo Stream ist auf einmal ohne weiteres Zutun LAN- und WLAN-Mitglied.

Schnurgerade und superfix

Apropos Netzwerkzugang: Neben den gängigen Verbindungen über die vorhandenen RJ45- und M12-Ports wartet der Neo Stream mit einer Exklusivität auf, dem sogenannten „optischen LAN“. Dafür finden sich im Lieferumfang ein kleiner Transmitter sowie zwei Strippen. Das eine ist ein Netzwerkkabel, das den Transmitter mit dem Router verbindet. Das zweite Kabel, ein Lichtleiterkabel, dient der Verbindung Transmitter/Neo Stream. Der hat einen eigenen optischen Eingang für dieses Spezialkabel, Toslink oder ADAT-Kabel passen nicht. Wozu diese außergewöhnliche Verbindung? Nun, der Transmitter bereitet das Signal vom Router auf, sodass die Übertragung der digitalen Audiodateien bis zu 10 Gbps bitgenau, additionally wirklich in voller Auflösung übers Netzwerk erfolgt – galvanische Trennung inklusive!

iFi Neo Stream
Ganz exklusiv und iFi-eigen ist die Möglichkeit, mittels Transmitter und Lichtleiterkabel eine optische LAN-Verbindung zum Router herzustellen. Der Vorteil: Die Signale werden audiophil aufbereitet und es sind sehr hohe Datenraten möglich.

Wer auf seinen gewohnten, innig geliebten USB-DAC nicht verzichten will, schließt diesen an den rückseitigen USB-Port „ANC for Audio“ an. Der Hersteller treibt einigen Aufwand, um Elektroschmutz von den Audiodateien fernzuhalten. Der aufwendig gefilterte USB-Anschluss für externe Wandler gehört dazu. Für die besonders schnelle und verlustfreie Verarbeitung der by way of USB empfangenen und ausgegebenen Signale sorgt ein XMOS-Chip mit 16 Kernen und besonders großem Arbeitsspeicher, der die aktuellen USB-Datenraten selbstverständlich unterstützt. Die XMOS-Firmware stammt von iFi selbst.

Nach dem iFi-Reinheitsgebot

Der XMOS-Chip arbeitet – wie sollte es anders sein – mit dem Wandlermodul, dessen Herzstück ein Chipsatz von Burr-Brown/Texas Instruments ist. Der ist vierkanalig ausgelegt, sodass PCM und DSD eigene Signalwege nehmen, was die native Wandlung aller DSD-Formate erst ermöglicht. Die bei DSD-Puristen zu Recht verpönte Konversion in PCM findet nicht statt.

iFi Neo Stream

Ausgangsseitig bietet der Neo Stream professionelle Standards: An Digitalausgängen sind AES/EBU sowie S/PDIF und Toslink im Angebot – im Pro-Format wohlgemerkt, das Abtastraten bis 192 Kilohertz unterstützt. Zur vollständigen Glückseligkeit wären neben dem symmetrischen 4,4-Millimeter-Line-Ausgang und den beiden unsymmetrischen RCA-Ausgängen noch symmetrische XLR-Ausgänge fein gewesen, doch für die hätte sich wohl kein Platz mehr gefunden. Die iFi-eigene „Purifier“-Technik sorgt dafür bei den Digitalausgängen einmal mehr für saubere Datenströme. Dazu dient im weiteren Sinne auch die Global Master Timing Femto-Clock, die jedes Taktzittern, besser bekannt als Jitter, eliminiert und für optimale Digitalsignale sorgt.

Zeit zum schöner Hören

iFi Neo Stream
Der Neo Stream bietet native DSD-Unterstützung bis DSD512.
iFi Neo Stream
Wer eine PMC-Konversion vermeiden möchte, muss aber unbedingt den Softwaremixer in der iFi Stream App deaktivieren.

Wer mit dem Neo Stream Dateien vom NAS oder auch angeschlossener SSD streamen möchte, sollte sich „iFi Stream“ als Steuerzentrale auf das cell Endgerät laden. Damit ist bestes Gelingen garantiert: Die App ist übersichtlich gestaltet und zudem polyglott, additionally auch deutschsprachig. Wer DSD nativ genießen möchte, sollte zudem den integrierten Software-Mixer – ohnehin nichts für Reinheitsfanatiker – deaktivieren.
Wer den Klang an seinen Geschmack anpassen möchte, kann zwischen vier Filtern wählen – „STD/Standard“, „BP/Bit Perfect“, „MIN/Minimum Phase“ und „GTO/Gibbs Transient Optimized“. GTO bedeutet ein Upsampling auf 352,8/384 Kilohertz bei minimalem Filtering, klingt bemerkenswert intestine – und kann den Neo Stream, genauer seinen Quad-Core ARM Cortex Prozessor, ganz schön ins Schwitzen bringen. Im Laufe des Hörtests, beim Abspielen von Musik in 24-bit/96-kHz-Auflösung stürzte der Streamer zweimal ab und musste unsanft vom Netz getrennt und neu hochgefahren werden. Sehr intestine, weil mit einer gewissen Analog-Anmutung, klingen aber auch STD und MIN. Das ist allerdings Geschmackssache.

Reine Genusssache ist indes das Musikhören. Dient er lediglich als Brücke zum Lieblingswandler, macht der Neo Stream alles so, wie es von einem zeitgemäßen Streamer zu erwarten ist, nämlich goldrichtig. Er reicht pieksaubere Dateien weiter. Dann lohnt es sich übrigens, das BP-Filter zu aktivieren und die Klangformung dem nachgeschalteten Wandler zu überlassen. Gilt das Vertrauen dem integrierten Wandler, schmeichelt der Brite den Ohren mit einem musikalischen Klang, der – besonders mit dem MIN-Filter – an analoges Ohrengold erinnert. Das steht den DSD-Ausgaben von Oscar Petersons grandiosem Soloklavier-Album My Favorite Instrument oder Miles Davis’ Meisterwerk Kind Of Blue bestens zu Gesicht. Im Falle des Peterson-Albums erscheinen vor dem inneren Hörerauge sogar die sich drehenden Spulen der Telefunken-Bandmaschinen. Dass neben dem ultravirtuosen Klavierspiel auch das Knarzen der Klavierbank eingefangen wurde, sorgt für die richtige Stimmung bei einer sehr langen Hörsitzung – „Body And Soul“ und „Little Girl Blue“ muss ich jeweils zweimal hintereinander hören. Der Zapfenstreich gebührt dann Miles Davis und dem überirdischen „Blue In Green“. Danach ist klar, dass der Neo Stream das Streamen vielleicht nicht gerade revolutioniert, aber ganz bestimmt zu einem sehr schönen Erlebnis macht.

iFi Neo Stream
Der Neo Stream lässt sich auch stehend betreiben. Der mitgelieferte Standfuß ist wie das Gehäuse aus Aluminium, das OLED-Display schaltet automatisch von Quer- auf Hochformat.

Technische Daten

Netzwerkplayer/DAC

iFi Audio Neo Stream

Konzept: Netzwerk-Streamer mit DAC
Betriebssystem/Prozessor: Linux-basiert, ARM Cortex Quad Core
Eingänge: 1 x USB DAC, 1 x USB, 1 x USB C für Speichermedien, 1 x USB C für Software-Updates
Netzwerk: Ethernet, WiFi, optical LAN
Ausgänge analog: 1 x symmetrisch 4,4 mm, 1 x unsymmetrisch RCA
Ausgänge digital: 1 x AES/EBU, 1 x S/PDIF, 1 x Toslink, I2S
Wandlerchip-Set: Burr-Brown, vierkanalig, bis 32 bit/768 kHz
Formate: alle gängigen, einschließlich DSD512 nativ, MQA-Decoder integriert
Maximale Auflösung: 32 bit/768 kHz (USB DAC), 24 bit/192 kHZ AES/EBU und S/PDIF, DSD512 nativ (keine PCM-Konvertierung)
Bedienung: am Gerät und mit beliebiger Steuer/Streaming-App oder der hauseigenen iFi Stream
Besonderheiten: für alle Plattformen offen (regelmäßige Software-Updates angekündigt), HiRes-Streaming auch über WLAN möglich, liegend und stehend betreibbar
Lieferumfang: externes Netzteil, Cinchkabel, Transmitter nebst Kabel für optisches LAN, WiFi-Antenne, Standfuß, Kurzanleitung
Maße (B/H/T): 21/4/15 cm
Gewicht: 1 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 1300 €

WOD Audio
Westendstraße 1a
61130 Nidderau
Telefon +496187 900077
[email protected]

www.wodaudio.com

Mitspieler

USB-Interface und D/A-Wandler: Mutec MC-3+USB, Mytek Digital Stereo192-DSD DAC, Violectric V800, AudioQuest DragonFly Cobalt
Rechner: Apple MacBook Pro 16 und MacBook Pro M1 15
Musikserver: Audiodata MusikServer II
Softwareplayer: Audirvana/jRiver
Aktivlautsprecher: Geithain RL 906, IK Multimedia iLoud Precision 6, Nubert nuPro A-200
Kabel: Vovox, AudioQuest, Klotz
Netzfilter: Dynavox X4100

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Ansuz Mainz8 D-TC 3

Ansuz Mainz8 D-TC 3 Power Distributor

Ansuz zäumt das Pferd von hinten auf: Statt zu filtern, was das Zeug hält, sorgen die Dänen mit handverlesenen Materialien und Technologien lieber dafür, das Maximum an Informationen aus dem Signal zu holen – und damit scheinen sie goldrichtig zu liegen. Im Falle des Premium-Netzverteilers Ansuz Mainz8 D-TC 3 hat das allerdings seinen Preis.

Ansuz Mainz D-TC3

In aller Kürze:
Verkabeln, auf die richtige Phase der Netzstecker achten und dem Ansuz Mainz8 D-TC 3 Power Distributor einen stabilen Standplatz gönnen. Mehr braucht es nicht, damit die Klang-Sonne aufgeht.

Ansuz Mainz D-TC3


Das Stromnetz, es conflict für mich stets die ultimative Grenze für den Klang. Da konnte das Equipment noch so intestine sein, die Schallwandler mit noch so viel Hingabe an die Elektronik angepasst werden – die schlichtweg miese Stromversorgung in meinem Jahrhundertwende-Haus im Besonderen und in der Innenstadt meines Wohnortes im Allgemeinen verwehrte mir erfolgreich den Gipfel. Was habe ich nicht unternommen, um diesen Mangel abzustellen. Trenntrafos, Netzfilter und Stromaufbereiter kamen und gingen, manche mit mehr, andere mit weniger Wirkung.

Dass ausgerechnet der Mainz8 D-TC3 Power Distributor von Ansuz Acoustics eine derart durschlagende Wirkung entfalten würde, hätte ich im Vorfeld des Tests nicht einmal erahnt: Der Stromverteiler sieht extrem unspektakulär aus, er hat keine Zeigerinstrumente, keine LEDs, keinen Schnickschnack – und entpuppte sich dennoch als eine der wichtigsten Komponenten, die ich je in mein Stereosystem integriert habe. Der schwarze Kasten mit dem Leder-kaschierten Deckel (eine clevere Maßnahme zur Vibrationsvermeidung, wie ich später erfahren sollte) verkörpert die Apotheose der Steckerleiste. Sein Gehäuse besteht zwecks ungestörtem Stromfluss vollständig aus unmagnetischen Materialien. Und es bietet eine solide Zukunftssicherheit, denn an ihm finden acht Komponenten Anschluss – da dürfen es auch mal ein paar Bausteine mehr sein, was man nicht nur als Testredakteur locker schafft: Vorverstärker und Endstufe, dazu Quellen wie Phonoverstärker, DAC, CD-Laufwerk und Streamer und noch dies und das – schon hat man den Mainz8 D-TC 3 „zugestöpselt“.

Ansuz Mainz D-TC3
Die weiße Dose gibt den Ton an! Der gekennzeichnete Anschluss ist Ausgangspunkt und Referenz für das aufwändige Erdungskonzept des Ansuz-Verteilers. Hier sollte jene Komponente angeschlossen werden, die auch die meisten Verbindungen zu anderen Geräten hat – in der Regel additionally die Vorstufe, der Vollverstärker oder – in digitalen Systemen – der geregelte D/A-Wandler. Nach außen sinkt die Hierarchie, hier gehören erst Quellen, dann Endstufen oder Aktivlautsprecher hin.

Der dänische Hersteller wirbt damit, die effizienteste Erdung unter allen Mitbewerbern zu haben. Das kann ich zwar daheim nicht nachmessen, bin aber festen Willens, es zu glauben, weil nach dem Anschluss des Verteilers nicht das geringste Brummen oder Rauschen aus meiner Kette zu vernehmen ist – passend zum Mark Levinson No. 27 der Vorverstärker No. 38S und der CD-Player No. 390S aus der Zeit, als ML schon bei Madrigal conflict. Das Erdungskonzept sorgt für eine weitere Besonderheit: Im Zentrum der Anschlüsse liegt eine weiße Netzdose, die den zentralen Massebezug darstellt. Hier muss die Komponente mit den meisten Querverbindungen angeschlossen werden, in der Regel der Vor- oder Vollverstärker. Von dort ausgehend verringert sich die Hierarchie – meine No. 27 muss sich mit einem der äußeren Steckplätze begnügen.

Das conflict bei vielen meiner bisherigen Stromaufbereiter beziehungsweise Netzfilter anders. Schlimmer noch: Sie wirkten in der Regel gerade bei sehr dynamischer Musik mit schnellen Impulsen als unerwünschte Bremsen und Gleichmacher dessen, was druckvoll und dynamisch weit gefächert daherkommen soll.

Ansuz Mainz D-TC3
Handverdrahtet, handbestückt und handerlesen: Die D-TC besteht aus einem Mix nichtmagnetischer Materialien, deren Resonanzeigenschaften sich zu einem „vollständigen Ganzen“ zusammenfügen. Alle Strippen und Verbindungen der ungefilterten Stromleiste werden von Hand in Dänemark hergestellt und auch vor Ort montiert.

„Filterung sorgt oft dafür, dass die Dynamik leidet“, weiß Morten Thyrrestrup, Verkaufsleiter der dänischen Manufaktur Ansuz, und ergänzt: „Herkömmliche Netzfilter erhöhen die Induktion – und das ebnet die Musik ein.“ Eine Meinung, die Ansuz-Entwicklungschef Michael Børresen teilt. Ganz viel Wert legt dieser wie erwähnt auf eine solide Erdung. „Alle angeschlossenen Geräte sollten das gleiche Potenzial sehen“, betont Børresen. Im Mainz8 D-TC 3 ist die Erdung deshalb sternförmig, was im Zusammenwirken mit vielen anderen Maßnahmen den Rauschgrund senkt und weitgehend in unhörbare Bereiche verbannt. Ein Grund, warum das, was aus den Lautsprechern kommt, vor einem gefühlt viel schwärzeren Hintergrund steht. Wer sich übrigens fragt, warum ein so quick aufreizend schlichter schwarzer Kasten 24 Kilo-Euro kostet, möge sich vor Augen halten, wie viele tausend Stunden allein für die immer mit dem Gehör als letzter Instanz abgesicherte Entwickung des Mainz8 D-TC 3 investiert wurden. Und dass der so handschmeichlerisch fließend designte Metallquader das Ergebnis akribischer Handarbeit im Hochlohnland Dänemark ist. Von der Stange ist hier rein gar nichts, dafür sind Hektoliter an Herzblut in den D-TC 3 geflossen.

Ansuz Mainz D-TC3
Das eigentliche Highlight der D-TC kann man hier nur teilweise erkennen: Auch unter der grünen Platine liegen dutzende „informationssteigernder“ Teslaspulen.

Um die Induktion – auch sie ein Hindernis für den Stromfluss – so niedrig wie möglich zu halten, setzt Ansuz doppelt invertierte, parallel geschaltete Tesla-Spulen ein, die wie winzige Kletterseile aussehen, kunstvoll in sich verdrillt. Dem Rauschen wird zudem durch die fortlaufend verbesserte Dither-Technologie des Herstellers begegnet. Deren Grundidee entstand in den Jahren des Zweiten Weltkriegs, um den „Blick“ des neu entwickelten Radars zu schärfen und so die Erkennung angreifender Feindeinheiten wie Flugzeuge und Schiffe zu erleichtern – ähnlich einem Polfilter bei der Fotografie. „Als die ersten Radarstationen in Betrieb genommen wurden, stellte man fest, dass die Signale deutlicher wurden, wenn Geräte um sie herum in Betrieb waren und vermeintlich das Signal störten“, erklärt Michael Børresen. Bei Ansuz gibt man deshalb, nachdem das Rauschen weitgehend eliminiert wurde, wieder etwas „Noise“ hinzu und sorgt damit für eine kontinuierliche (wenngleich winzige) Modulation des Signals. Michael Børresen umschreibt dies mit einer Hand mit abgespreizten Fingern, die über eine Textseite gehalten wird: „Hält man sie nonetheless, dann erkennt man nur Teile des Textes. Wedelt man sie dagegen hin und her, wird alles lesbar.“

Vergegenwärtigt man sich, dass es hier eigentlich „nur“ um eine möglichst gute Stromversorgung geht, ist der Effekt umso verblüffender. Der Mainz8 D-TC 3 Power Distributor sorgt für blitzsaubere Klänge, die stets „punchy“, offen und dynamisch wirken und von Weichspülersymptomen frei sind. Weil Michael Børresen durch geschickte Materialauswahl und Gehäusekonstruktion auch Vibrationen („verheerend für den Klang“) aus seinem ultimativen Mainz8 verbannt hat, kann die angeschlossene Anlage ihre Talente so unbeeinflusst wie kaum je entfalten. Anteil daran haben natürlich auch akribische Detaillösungen wie die sorgsam vergossene Kaltgeräte-Steckdose für den Hauptanschluss oder besagte dicke Lederkaschierung des Gehäusedeckels.

Bildergalerie
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Selbst sehr gute, räumlich und tonal perfekt ausbalancierte Aufnahmen – kürzlich erreichten mich die ersten beiden Folgen des sorgsam remasterten und von Decca auf SACD und LP wiederveröffentlichten Wagner-Rings unter Georg Solti, die absolut spektakulär geraten sind – legen durch den Mainz8 extrem zu und gefallen mit quick holografischer Dreidimensionalität und einer zuvor nie gekannten Durchhörbarkeit. Die Pop-, Rock- und Bluesfraktion wird sich über staubtrockene Tieftonimpulse freuen. Der Bass auf Peter Gabriels So, einst die zentrale Test-CD der 1990er Jahre, fühlt sich über mein mit dem Mainz8 D-TC3 Power Distributor wundersam verjüngt wirkendes Semi-Vintage-Equipment ungemein tief, satt, druckvoll und dennoch glasklar an, Gabriels Stimme sorgt mit Superpräsenz für Gänsehaut. Wer eine richtig gute Kette hat, sollte sich unbedingt anhören, welchen Sprung nach vorne sie mit dem Power Distributor macht.

Ansuz Mainz D-TC3

Technische Daten

Ansuz Mainz8 D-TC 3 Power Distributor

Konzept: reiner Netzanschluss-Verteiler, keine bremsende Filterung
Eingang: 1 x 230/110 V (IEC C14)
Ausgänge: 8 x Schuko, vergoldet
Besonderheiten: Teslaspulen-Technologie, Dithering-Schaltkreis, nichtmagnetisches Gehäuse
Maße (B/H/T): 51/10/30 cm
Gewicht: 8 kg
Garantiezeit: 2 Jahre (5 Jahre nach Registrierung)
Preis: um 24 000 €

Kontakt

Audio Group Denmark
Rebslagervej 4
9000 Aalborg
Dänemark
[email protected]

audiogroupdenmark.com

Mitspieler

Netzwerkplayer/DAC: Esoteric N-01XD
CD-Player: Mark Levinson No. 390S
Plattenspieler: Clearaudio Innovation Compact, Artkustik Seismograph
Tonabnehmer: Clearaudio Da Vinci und Jubilee MC, Denon DL-103R
Phonoverstärker: Clearaudio Balance V2
Vorverstärker: Cambridge Audio Edge NQ, Mark Levinson No. 38S
Vollverstärker: Mark Levinson No. 5805, Aavik U-380, Trigon Exxceed
Endverstärker: Cambridge Audio Edge M, Mark Levinson No. 27
Lautsprecher: Infinity Kappa 7.2 Series II, SoundSpace Systems Aidoni
Kabel: u. a. von in-akustik, AudioQuest und Silnote Audio

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airplain phli WEISS-Edition

airplain phli WEISS-Edition

Letztlich sind doch alles nur Moleküle – Emotionen sind hochkomplexe, aber mathematisch rekonstruierbare Karambolagen unter Myriaden von Quantenteilchen. Die airplain phli* WEISS-Edition zeigt, wie man Musikliebhaber mit geplantem Kalkül mitten ins Herz treffen kann.

airplain phli WEISS Edition
*Für die Phonetiker unter uns: Die Modellbezeichnung wird wie das englische „Fly“ ausgesprochen. Die Schreibweise „phli“ weist auf die Phasenlinearität des Lautsprechers hin.

In aller Kürze:
Die airplain phli WEISS-Edition ist ein funktionales Kunstwerk auf akustisch höchstem Niveau. Restlos überzeugende Unbestechlichkeit trifft auf praxistaugliche Anpassbarkeit.

airplain phli WEISS Edition


Wir kennen das Klischee: Schweiz bedeutet Uhrwerke, und Uhrwerke stehen sinnbildlich für unbestechliche Präzision. Ohne mich jetzt zu sehr in Stereotypen verrennen zu wollen: Zu einem gewissen Grad scheint sich die Erwartungshaltung bei der airplain phli zu bestätigen. Immerhin warfare das erklärte Ziel bei deren Entwicklung nicht etwa besonders guter Klang; in erster Linie geht es explizit darum, das Musiksignal möglichst ohne den geringsten Fehler wiederzugeben. Und der Ansatz ist auch sehr gesund – wenn die Aufnahme stimmt, wird deren fehlerlose Reproduktion guten Klang als logische Konsequenz quasi zwangsläufig nach sich ziehen. Im Grunde wird hier additionally einfach nur das Pferd von hinten aufgezäumt. Dass Entwickler Thomas Flammer die Sache perfektionistisch angeht, wird uns schon bei der ersten Begegnung klar: Die Lautsprecher sind noch gar nicht ausgepackt, da breitet er sich schon mit Messmikro und Laptop bewaffnet in unserem Hörraum aus. Gehört wird erst, wenn Frequenzgang und Zeitverhalten perfekt auf den Hörplatz angepasst sind.

airplain phli WEISS Edition

Gut, das mit der fehlerlosen Wiedergabe haben wir natürlich schon einige Male gehört, und es gibt so einige Hersteller, die diesem Ideal auch verdammt nahekommen. DSP-gesteuerte Aktivlautsprecher sind auf jeden Fall „State of the Art“, aber nichts noch nie Dagewesenes. Wenn das additionally alles wäre, hätten wir hier im besten Fall einen beeindruckenden, letztlich aber irgendwie austauschbaren Lautsprecher vor uns. Zum Glück sieht man der phli allerdings schon auf den ersten Blick an, dass man ihr grobes Unrecht antun würde, sollte man sie allein auf die technische Perfektion reduzieren. Schieben wir additionally die Technik zunächst beiseite und sehen uns die Schweizer Schmuckstücke einmal näher an.

Kunstinstallation

airplain phli WEISS Edition

Die phli gehen mit ihren Dimensionen gerade noch als Kompaktlautsprecher durch, wenn auch mit der gefühlten Dichte von zwei massiven Marmorblöcken. Wenn ich sie jetzt als „quaderförmige Gehäuse mit je vier Treibern“ beschreibe, könnte man annehmen, dass die Lautsprecher ziemlich regular aussehen – doch weit gefehlt! Selten stand etwas derart Markantes in unserem Hörraum. Allein das Finish – statt der üblichen Lacke oder Holzfurniere gibt es hier eine rundum bruchlose, brünierte Messingoberfläche. Wer’s klassisch magazine, kann sie natürlich auch lackiert ordern – oder ausgefallenere Ideen realisieren: Wenn der Kunde es wünscht, bekommt er die phli auch vergoldet. Ob sie sich dann noch nahtlos in eine geschmackvoll eingerichtete Wohnumgebung integrieren würde? „Es gibt einen Markt dafür“, ist Flammers diplomatische Antwort.

airplain phli WEISS Edition

Wir jedenfalls finden die Variante in unserem Hörraum klasse. Die künstlich gealterte Metalloberfläche gibt den Kompakten etwas Skulpturhaftes. Ein stylisches Möbel, das ganz wie zufällig auch Musik macht – dem Ansatz nach einer Devialet Phantom nicht ganz unähnlich, aber schon auf den ersten Blick wesentlich spektakulärer und mit einem ungleich höheren Anspruch. Das Design wirkt buchstäblich wie aus einem Guss: Beim Umgehen der Lautsprecher (und auch Sie werden sie von allen Seiten bestaunen, wenn Sie sie vor sich haben) entdecken wir entlang der Kanten keinerlei Fugen oder Schrauben, das Gehäuse ist komplett verschweißt. Das gleiche Finish zeigt auch die Streaming-Einheit, die einer ganzen Reihe möglicher Quellen Anschluss bietet und nach Wunsch stolz auf dem Rack präsentiert werden oder aber dezent in den Hintergrund rücken kann: Da ein HD-Display auf dem monolithischen Kästchen deplatziert wirken würde, hat man das Display kurzerhand separat ausgeführt; eine Art Nabelschnur stellt den Kontakt her und lässt dem Nutzer bei der Aufstellung des Streamers damit weitgehend freie Hand. Ich lasse die Haupteinheit auf jeden Fall auf dem Rack stehen, nicht nur wegen des passenden Finishs, sondern weil die zwei Reihen schweizerkreuzförmiger Entlüftungslöcher auf der Oberfläche so knuffig aussehen. Das Display findet problemlos direkt davor Platz und ist mit seiner schwarzen Stoffbespannung, durch die die großflächige Dot-Matrix-Anzeige hindurchleuchtet, auch schon ein Anblick für sich.

Harte Fakten

Die large Bauweise ist freilich nicht allein der Optik geschuldet: Die vier Treiber nehmen einen beträchtlichen Teil der Oberfläche ein. Zwei seitlich angebrachte 22er-Bässe mit einem Maximalhub von 12 Millimetern bearbeiten das Innenvolumen; Bassreflexports sucht man vergeblich – Flammer hat seine phli für lebensnahe Wohnumgebungen konzipiert, und hier geht für ihn nichts über die sanfte, kontrollierte Flanke im Bass, die ein geschlossenes System mit sich bringt. Den so aufgebauten Druck muss das Gehäuse natürlich abkönnen – und dabei mucksmäuschenstill bleiben. Und hier müssen wir einmal kurz innehalten: Hält man sich vor Augen, dass Tweeter und Mitteltöner jeweils ein eigenes abgeschlossenes Gehäuseabteil von jeweils 3,5 Litern Volumen für sich beanspruchen dürfen, bleibt den beiden Langhub-Bässen verblüffend wenig Luft. Ein Glück, dass Flammer in einem früheren Leben beruflich in der Flugzeugüberholung tätig warfare. Das an der Innenseite mit einer speziellen Wabenstruktur verstärkte Metallgehäuse ist eine konstruktive Anleihe aus diesem Bereich – Trickle-down vom Airliner ins Wohnzimmer sozusagen. Das ein oder andere Detail wurde dann aber doch speziell auf die Audioanwendung hin optimiert: Die Querstangen zur zusätzlichen Versteifung würde man in einer Flugzeugkabine eher als störend empfinden, in der phli stemmen sie sich effektiv gegen die von den Woofern entfesselten Urgewalten. Beim Gehäusematerial hat man sich zudem nicht etwa für das auch im Audiobereich beliebte Aluminium, sondern für eine Chromstahllegierung entschieden. Der Grund hierfür liegt schlicht in dessen höherer Dichte, die eine geringere Durchlässigkeit insbesondere gegenüber tiefen Frequenzen mit sich bringt.

airplain phli WEISS Edition

Wer auf das letzte bisschen Bühnentiefe verzichten kann, magazine sie dank Bauart und Raumkorrektur additionally recht wandnah platzieren, ohne dass die unteren Register ins Schaukeln geraten. Die Front teilen sich ein 18-Zentimeter-Mitteltöner, der wie die beiden Bässe und auch die drei Eigentakt-Endstufen von Purifi bezogen wird, und ein AMT-Hochtöner, bei dem es sich zu einem beträchtlichen Teil um ein eigens für die phli entwickeltes, proprietäres Modell handelt. Die Mühe musste man sich machen, weil Zeitrichtigkeit zu den Hauptentwicklungszielen zählte. Diese lässt sich am leichtesten mit einem einzelnen Treiber realisieren, additionally wollte Flammer einen Lautsprecher bauen, der mit einem einzelnen Chassis einen möglichst breiten Frequenzbereich abdecken kann. Der Tweeter ist in der Lage, ohne nennenswerte Verzerrungen und Resonanzen Frequenzen bis hinunter zu etwa 400 Hertz wiederzugeben – ein Treiber, der diese Maßgabe erfüllen kann, warfare auf dem Markt schlichtweg nicht verfügbar. Dem Mitteltöner überantwortet die Elektronik dementsprechend lediglich Frequenzen bis etwa 600 Hertz, und in diesem Bereich zeigt er praktisch keinerlei messbares Fehlverhalten. Um alles, was dann noch übrigbleibt, kümmern sich die cleveren und hochgradig anpassbaren DSP-Algorithmen, die die drei 400-Watt-Class-D-Endstufen professional Seite ansteuern – eine für jeden Weg.

Anspruchsvolle Ohrenschmeichler

Direkt nach dem Einmessen und Einrichten begeisterten uns die phli vom Stand weg vor allem mit einer bemerkenswerten Impulstreue. Gerade bei elektronischen Stücken kann das richtig Spaß machen. Dem ständig abrupt stoppenden und wieder einsetzenden, aus Schlagzeugsamples zusammengesetzten Beat in Ken Ishiis „Game Over“ (Sleeping Madness) folgen die Treiber ohne den leisesten Anflug von Trägheit. Die mit praktisch senkrechter Flanke ausgeschnittenen Fragmente eines fließenden, das gesamte Frequenzband umfassenden Rhythmus bauen sich nicht auf, sie platzen in den Raum, nur um sich Augenblicke später ebenso unvermittelt in vollkommene Stille aufzulösen.

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Richtig aufgestellt, werfen sie zudem eine Bühne in den Raum, die am treffendsten mit dem Wort „richtig“ beschrieben ist: Höhe, Breite, Tiefe und die Abstände zwischen den einzelnen Tonereignissen sind lebensnah, während jedes noch so subtil eingefangene Nebengeräusch wie festgenagelt in der Luft schwebt. Das Stichwort ist hier allerdings wie erwähnt „richtig aufgestellt“. Wie viele – insbesondere geschlossene – Systeme reagiert die phli empfindlich auf ihre Aufstellung im Raum, die richtigen Bühnenmaße mit einer stabilen und klar definierten Mitte muss man sich erarbeiten. Sind sie dann noch auf die ermittelte Position eingemessen, wirft ein Verrücken der Lautsprecher das Klangbild noch mehr durcheinander – aber das liegt ja in der Natur der Sache. Ist alles richtig eingestellt, zeigen sich dafür eindrucksvoll die Vorzüge des extrem breitbandigen AMT-Tweeters: Die Ratsche im Hintergrund bei „Mykonos“ von den Fleet Foxes (First Collection) hat keinerlei Probleme, sich ihren Weg durch die grundtonreiche Produktion hindurch ans Hörerohr zu bahnen und ist stets auf den Millimeter lokalisierbar. Fast noch beeindruckender ist, dass Stimme, Gitarre und Schlagzeug trotz des recht üppigen Volumens einwandfrei ortbar sind und den Raum mit jeweils glaubhafter Größe und Abstand zueinander bevölkern.

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Mit Michael Jacksons „Dirty Diana“ (Bad twenty fifth Anniversary) lote ich mal die Pegelreserven aus. Trotz überschaubaren Gehäusevolumens kommen die vier 22er-Bässe nicht ansatzweise ins Schwitzen. Der einleitende, mächtig wabernde Synthie-Ton walkt gehörig den Hörraum durch, bevor er der dräuenden Bassline weicht. Jennifer Battens noch zurückhaltendes Gitarrengezupfe ist gleichzeitig an zwei verschiedenen Stellen im Raum festgenagelt und kündigt den sich bald entfesselnden Sturm an – und hier folgt die Stelle, an der ich normalerweise den Spaß an dem Stück verliere, weil Qobuz leider nur das obenrum dünn und blechern klingende 2012er Remaster führt. Zum Glück bietet mir die phli allerdings alle Möglichkeiten, mir selbst zu helfen. Ich weiß, ich weiß, Equalizer sind böse – und bei vernünftig produzierten Aufnahmen lasse ich auch die Finger von ihnen. Aber so ein Shelf-Filter, der den Frequenzbereich oberhalb von 6 Kilohertz um, sagen wir, 1,5 Dezibel absenkt, kann nun mal in so vielen Fällen das Zünglein an der Waage sein, das den Unterschied zwischen unerträglichem Ohrenbluten und packendem Hörvergnügen ausmacht.

Der Ansatz geht auf: Die airplain phli baut musikalische Erlebnisse von einem unbestechlichen Grundlagenfundament aus nach oben auf. Der anfängliche Aufwand bei der Aufstellung und Einmessung ist kein Manko – die superbe Technologie hat nichts weniger verdient, und die Ersteinrichtung muss der Kunde ohnehin nicht selbst vornehmen. Was bleibt, ist ein musikalisches Präzisionsinstrument, das optisch und haptisch beeindruckt, akustisch verschwindet und bei Bedarf jederzeit mit einer Handvoll Mausklicks feingetunt werden kann.

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FEHLER SIND NICHT GLEICH FEHLER

Hält man sich die dem Vernehmen nach geradezu magischen Fähigkeiten DSP-basierter Systeme vor Augen, kann natürlich die Frage aufkommen, wieso man bei einem aktiven Lautsprecher einen so enormen konstruktiven Aufwand treiben sollte, wie airplain es bei der phli tut. Die Antwort ist simpel: DSP kann vieles, aber eben bei weitem nicht alles richten, was hardwareseitig schiefläuft. Thomas Flammer hat der Entwicklung deshalb eine gründliche Analyse der möglichen Fehlerquellen in einem Wiedergabesystem vorangestellt, in deren Zentrum die Frage stand, welche Fehler auf elektronischem Wege korrigiert werden können und welche nicht. Unebenheiten im Frequenz- und Phasengang etwa können auf digitalem Wege ausgeglichen werden, ebenso wie Laufzeitunterschiede zwischen den Treibern. Zu den nicht korrigierbaren Fehlern zählen unter anderem Treiber- und Gehäuseresonanzen oder stehende Wellen im Gehäuse. Zudem kann auch die beste digitale Signalverarbeitung Signale nur beeinflussen, solange sie den Lautsprecher noch nicht verlassen haben: Abstrahlverhalten, Kantenreflexionen oder Interferenzen zwischen den Treibern müssen deshalb bereits im guten alten physischen Raum ausgemerzt werden. Ein Beispiel ist hier die ungewöhnlich tiefe Trennfrequenz zwischen Hoch- und Mitteltöner: Die Wellenlängen im Übergangsbereich sind dadurch wesentlich länger als der Abstand zwischen den Treibern – phasenbedingte Auslöschungen sind somit kein Thema.

Dank DSP-Magie kann man sich bei der Entwicklung kompromisslos darauf konzentrieren, alle nicht korrigierbaren Fehler zu eliminieren, um den Rest kümmert sich die schlaue Elektronik. Die DAC- und DSP-Lösungen hierzu bezieht airplain von niemand Geringerem als der Professional-Audio-Koryphäe Daniel Weiss. Hoch-, Mittel- und Tieftonzweig werden jeweils von einer Class-D-Endstufe mit eigenem DSP-Modul angesteuert. Eine konventionelle Frequenzweiche wird dadurch überflüssig, und dank FIR(Finite Impulse Response)-Filterung kann neben dem Frequenzgang auch der Phasengang glattgezogen werden – die phli arbeitet von 100 Hertz aufwärts phasenlinear.

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Die Möglichkeiten der digitalen Signalverarbeitung sind damit aber noch nicht ausgeschöpft: Die nahezu beliebigen Eingriffsmöglichkeiten lassen darüber hinaus auch eine Raumkorrektur ebenso zu wie die Abstimmung der Klangeigenschaften auf den persönlichen Hörgeschmack. Hierzu hat der Kunde über seinen PC Zugriff auf ein ziemlich mächtiges Konfigurationstool. Auf dessen übersichtlicher Benutzermaske lässt sich mithilfe eines parametrischen Equalizers das Klangbild nach Gusto modifizieren. Daneben bietet die Software noch weitere, aus dem Studiobereich bekannte Funktionen, wie etwa einen in Q-Wert und Amplitude einstellbaren De-Esser, während der optionale Vinyl-Emulator die Handschrift von Daniel Weiss durchscheinen lässt.

DSP eröffnet übrigens noch eine weitere Option, die bei einem passiven System nicht denkbar wäre: Sollten in Zukunft bessere Treiber verfügbar sein, lassen sich die phli upgraden: Das Rechenwerk erlaubt mittels programmierbarer Filterfunktionen eine exakte Anpassung der Chassis an das Gehäuse. Wenn airplain seine phli additionally aufwertet, hat man als Kunde die Möglichkeit, sein eigenes Exemplar auf den neuesten Stand bringen zu lassen.


Aktivsystem

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Konzept: aktiver, DSP-gesteuerter 3-Wege-Kompaktlautsprecher mit Streamingmodul
Bestückung: 1 x AMT-Hochtöner, 1 x 18-cm-Mitteltöner, 2 x 22-cm-Tieftöner
Verstärkerleistung: 3 x 400 W professional Kanal
Dynamikumfang: > 110 dB
Frequenzgang: 20 Hz bis 30 okHz
Trennfrequenzen: 100 Hz/650 Hz
Eingänge Lautsprecher: 1 x Vierkanal-AES/EBU (RJ45)
Ausgänge Lautsprecher: 1 x Sub-Out (XLR), 2 x AES/EBU (jeweils separat anpassbar)
Eingänge Streaming-Einheit: 1 x AES/EBU, 1 x XLR analog, 1 x S/PDIF, 2 x Toslink, 1 x RJ45 (LAN), 1 x USB B, 2 x Trigger
Ausgänge Streaming-Einheit: 2 x Vierkanal-AES/EBU (RJ45)
Besonderheiten: FIR-basierte DSP-Frequenzweiche, EQ zur Raumeinmessung und Frequenzganganpassung mit speicherbaren Nutzerprofilen
Ausführungen: Lackiert weiß oder schwarz, RAL-Farben, Messing, Kupfer, Silber, Gold (24 Karat), Holzfurniere nach Wahl, Leder nach Wahl, weitere auf Anfrage
Maße (B/H/T): 23/53/35 cm
Gewicht: 38 kg
Garantiezeit: 10 Jahre, Elektronik 5 Jahre
Paarpreis: um 54 000 €

Kontakt

airplain acoustics ltd.
Kemptpark 3/5
8310 Kemptthal
Schweiz
Telefon +41 52 5111318
[email protected]
airplain.ch

Mitspieler

CD-Player: Audio Note CD 3.1x
Mediaplayer: T+A MP 200, Lumin P1
Vorverstärker/DAC: T+A DAC 200
Endverstärker: Monoblöcke T+A M 200, Luxman M-10x
Vollverstärker: Aavik I-580
Lautsprecher: DALI Epicon 6, Monitor Audio Platinum 100 3G, Wilson Audio Sasha DAW
Kabel: Ansuz, WestminsterLab, HMS
Rack: Finite Elemente, Creaktiv

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Ypsilon Phaethon

Ypsilon Phaethon

Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um zwei nach vorn zu kommen. Innovation heißt für Ypsilon-Entwickler Demetris Backlavas nicht, überall die neuesten Technologien zu nutzen, sondern Altbekanntes vollkommen neu zu denken. Das Ergebnis – der Ypsilon Phaethon – ist ebenso unscheinbar wie verblüffend.

Ypsilon Phaethon

In aller Kürze:
Der Ypsilon Phaethon ist so intensiv musikalisch, dass man erst beim zweiten Hinhören merkt, wie natürlich er klingt.

Ypsilon Phaethon


„Mache alles so einfach wie möglich, aber nicht einfacher“ – entgegen landläufiger Meinung hat Einstein das wohl nie gesagt. Von wem es stammt, kümmert mich auch wenig, das Sprichwort resoniert einfach in mir; vielleicht weil ich mich selbst immer wieder daran erinnern muss, dass die zweite Satzhälfte ebenso wichtig ist wie die erste. Im Grunde meiner HiFi-Seele bin ich Purist – nicht falsch verstehen: Ich sehe sehr wohl die Vorzüge eines DSP-geglätteten Aktivlautsprechers und hege keinerlei Vorurteile gegen Class-D-Verstärker. Wenn mich eine HiFi-Komponente aber wirklich faszinieren soll, dann will ich geniale Einfachheit sehen. Schließlich gibt es nicht nur im HiFi, sondern im Ingenieurswesen generell gute Gründe, Design so simpel wie möglich zu halten: Weniger Bauteile bedeuten prinzipiell weniger Fehlerquellen (oder im Audiobereich: weniger Signaldegradation), und wenn ein Design mit weniger Teilen auskommt, kann man bei gleichem Budget höherwertiges Material verbauen.

Nun gibt es ja genug Hersteller, die sich aus diesen Gründen konsequent der Reduktion auf das absolute Minimum verschrieben haben – das Problem ist nur, dass Minimalismus um jeden Preis in der Realität nun mal meistens kompromissbehaftet ist. Eine Frequenzweiche, die nur mit Filtern erster Ordnung arbeitet? Gerne doch, wenn man denn Treiber findet, die sich in ihrem Übertragungsbereich über sechs Oktaven hinweg überlappen können, ohne sich danebenzubenehmen – viel Spaß beim Suchen. Single-Ended-Verstärker ohne jegliche Über-alles-Gegenkopplung? Sicher, wenn man bereit ist, bei den Messwerten ein Auge zuzudrücken und dreistellige Eingangs- bei einstelliger Ausgangsleistung zu tolerieren.

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Den Single-Ended-Zauber retten

Warum ich Ihnen das alles erzähle? Weil der Ypsilon Phaethon eine dieser Komponenten ist, die mich wirklich faszinieren. Dabei wirkt er eigentlich gar nicht so puristisch – bei genauerem Hinsehen dann aber wieder doch. Der Vollverstärker ist für mich der Erstkontakt mit dem griechischen Hersteller Ypsilon Electronics, doch wenn ich mir ansehe, was Entwickler Demetris Backlavas so treibt, stelle ich schnell fest, dass er ein Ingenieur nach meinem Geschmack ist.

Die Geschichte von Ypsilon Electronics begann wie so oft im professionellen Audiobereich, in dem Backlavas als Elektroingenieur tätig battle. Hier entstand der Wunsch, Elektronik zu entwickeln, die die Klangcharakteristik eines Live-Events einfängt. Das Mittel der Wahl schienen ihm dabei seit jeher Single-Ended-Triodenverstärker (SET) zu sein, weil diese Topologie seines Erachtens nach wie vor der Maßstab ist, wenn es um Feinauflösung und eine musikalisch involvierende Wiedergabe geht. So weit, so intestine, allerdings ist sich Backlavas auch im Klaren darüber, dass es nicht wirklich möglich ist, einen SET zu entwickeln, der auch schwierigere Lautsprecher souverän antreiben kann – schon gar nicht, ohne sich dabei Gedanken über die Schmelztemperatur der Kühlkörper machen zu müssen.

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Warmer Empfang: Ab Werk werden in der Eingangsstufe des Ypsilon Phaethon die Musiksignale von einem Paar 6H6p-Röhren – eine professional Kanal – verarbeitet. Wer an dieser Stelle experimentieren möchte, kann im Innern drei Jumper umstecken; dann lassen sich auch Röhren der 5687-Familie, wie beispielsweise 7044 oder E182CC, verwenden.

Das hielt ihn und Mitgründer Andy Hassapis freilich nicht davon ab, nach circa zehn Jahren des Tüftelns an Topologien und vor allem Transformatoren auf der London Audio Show in Heathrow 2005 das erste echte Ypsilon-Produkt vorzustellen: die Single-Ended-Monoblöcke SET-100, die satte 100 Watt an allen Lasten liefern und in ihrer nunmehr vierten Iteration auch heute erhältlich sind. Damit gab er sich jedoch nicht zufrieden und suchte nach Wegen, den berühmten Single-Ended-Zauber in effizientere und laststabilere Topologien zu retten. Das haben vor ihm natürlich schon viele versucht, aber Backlavas scheint hier eine besonders elegante Lösung eingefallen zu sein.

Komplexität im Dienst der Einfachheit

Das Ergebnis seiner Bemühungen heißt Phaethon und verkörpert wie kaum ein anderes Gerät beide Hälften unseres einleitenden Sinnsprüchleins. Ausgangspunkt der Entwicklung battle hier tatsächlich eine Schaltung, wie sie in OTL(Output Transformerless)-Röhrenverstärkern eingesetzt wird – jenen SETs, die die Bauteilaskese so weit treiben, dass sie selbst auf Ausgangsübertrager verzichten und, Sie ahnen es, in der Realität leider mehr schlecht als recht funktionieren. Am Ende des Entwicklungsprozesses ist von der klassischen OTL-Topologie nicht mehr viel übriggeblieben: Schraubt man den Phaethon auf und blickt hinein, könnte man ihn auf den ersten Blick tatsächlich für einen ganz normalen Push-Pull-Verstärker halten. Das müssen wir uns mal genauer ansehen.

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Wenn man weiß, wie puristisch das Arbeitsprinzip des Ypsilon Phaethon im Wesenskern ist, kann man beim Blick unter die Haube nur staunen: Vom Ausgangspunkt der Entwicklung, einer Eintakt-Röhrenausgangsstufe ohne Übertrager, ist nicht viel übriggeblieben – außer der Tatsache, dass es sich letztlich immer noch um eine (allerdings symmetrische) Eintaktschaltung handelt und der Verstärker dank MOSFETs als Gain Devices tatsächlich ohne Ausgangsübertrager auskommt.

Als puristisch kann die Schaltung allemal durchgehen, kommt sie doch mit lediglich drei Gain-Stufen aus, wobei Eingangs- und Treiberstufe jeweils röhrenbestückt sind, während in der Ausgangsstufe MOSFETs arbeiten – eine in Puristenkreisen vielleicht etwas blasphemische, aber naheliegende Art, den Ausgangsübertrager loszuwerden. Wenn ich vorhin schrieb, dass man die Schaltung leicht mit einer Push-Pull-Topologie verwechseln kann, dann liegt das daran, dass im Ausgang jeder Kanal jeweils von zwei Sätzen von Transistoren bearbeitet wird – und hier liegt der Clou der Schaltung: Die Transistoren haben jeweils die gleiche Polarität und arbeiten nicht im Wechseltakt, sondern ähnlich wie bei einer XLR-Verbindung symmetrisch – im Prinzip additionally ein gebrücktes Paar Single-Ended-Ausgangsstufen, „Balanced Single-Ended“, wie es im Datenblatt heißt. Anders als in üblichen Eintaktschaltungen hat Backlavas hier allerdings einen Weg gefunden, den Brückenbetrieb so zu nutzen, dass jeder Transistor die gesamte Welle wiedergibt, ohne dass dafür der Ruhestrom in der Mitte der Kennlinie liegen müsste. Wie genau er das angestellt hat, habe ich nicht aus ihm herausbekommen, aber was soll’s – einen Koch fragt man nicht nach dem Rezept. Das Design ist additionally wesentlich effizienter und vor allem auch laststabiler als ein SET, rettet aber gleichwohl die Kerntugend („Seele“, wenn wir romantisch sein wollen) dieser Verstärkergattung: Das Musiksignal wird nicht alle 180 Grad zersägt und wieder zusammengefügt, es gibt keine Übernahme zwischen Halbwellen und folglich auch keine Übernahmeverzerrungen. Gleichzeitig mobilisiert der Phaethon üppige 110 Watt an acht beziehungsweise 180 Watt an vier Ohm und wird dabei lediglich handwarm.

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Weggeduckt: Um die Front nicht mit einem harten Netzschalter zu verunzieren, wanderte dieser vorne hyperlinks auf die Unterseite des Gehäuses und wartet dort in der Praxis unsichtbar auf seinen Einsatz. Zum Glück hat sich diese Position in High-end-Kreisen mittlerweile so weit eingebürgert, dass man ihn intuitiv auf Anhieb findet.

Eisen satt

Der aufmerksame Leser magazine sich an dieser Stelle etwas wundern, warum sich Backlavas bei der Entwicklungsarbeit vor allem Transformatoren widmete, die er auf jeden Fall für klangentscheidend hält, um sich dann konsequent auf einen Verstärker ohne Ausgangsübertrager einzuschießen. Die offensichtliche Antwort könnte natürlich „Netzteil“ lauten und wäre auch nicht falsch, aber unvollständig – tatsächlich battle unsere erste Reaktion bei der Betrachtung des Innenlebens: „Puh, da ist echt viel Eisen drin!“ Zwischen den Stufen kommt im Ypsilon Phaethon statt eines Koppelkondensators ebenfalls ein Transformator zum Einsatz – eine aufwendige und kostspielige Lösung, aber selbst die besten Kondensatoren sind nun mal klanglich nicht so impartial wie ein guter Trafo.

Und damit nicht genug: Auch die Lautstärkeregelung überantworten Backlavas und Hassapis nicht Potis oder Widerstandsnetzwerken, sondern ebenfalls einem großzügig dimensionierten Transformator, der nicht im Eingang sitzt, sondern das bereits verstärkte Signal drosselt. Das hat zwei wesentliche Vorteile: Erstens wird die Lautstärkeregelung mit einer hohen Spannung angesteuert, die viel näher an ihrem optimalen Betriebspunkt liegt, als dies bei eingangsseitigen Pegelstellern der Fall ist. Zweitens wird bei der Reduzierung der Lautstärke jegliches Rauschen gleich mit abgesenkt – beste Voraussetzungen additionally für den begehrten „schwarzen Hintergrund“. Bei unserem Testexemplar handelt es sich im Übrigen um einen Phaethon SE (Silver Edition), bei dem für die Trafokerne in der Lautstärkeregelung und beim Zwischenübertrager ein speziell angefertigtes getempertes Material zum Einsatz kommt, dass sich in Bezug auf die magnetische Flussdichte besonders linear verhalten soll. Das „Silver“ in der Versionsbezeichnung rührt allerdings nicht davon, sondern vom Material der Innenverkabelung her.

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Bei der schieren Bauteilezahl sind wir nicht böse darum, dass der Phaethon nicht vollständig, sondern nur über weite Teile frei verdrahtet ist. In der von uns getesteten Silver Edition besteht diese im Übrigen aus Silber. Zudem wird hier in den Trafokernen ein spezielles getempertes Material eingesetzt.

Die Papierform liest sich additionally auf jeden Fall schon mal beeindruckend, aber am Ende zählt bekanntlich das Ergebnis – zwischen mir und dem Hörvergnügen stand allerdings noch ein kurzes Intermezzo geringfügiger Nervigkeiten: Die Beschriftungen der Eingänge an der Gehäuserückseite und der Funktionen auf der Fernbedienung sind jeweils nur graviert – das sieht irre schick aus, ist bei Abwesenheit von Tageslicht jedoch teils nahezu unsichtbar. Die zweite Kleinigkeit ist die Tatsache, dass der Phaethon nach dem Einschalten grundsätzlich gemutet ist – ich habe das ein oder andere Mal alle Kabelverbindungen geprüft, bevor ich auf den Trichter gekommen bin, wieso jetzt keine Musik aus den Boxen kommt. Das sind aber wie gesagt nur kleine Eigenheiten, an die man sich schnell gewöhnt hat.

Rhythmus und Klangfarben im Überfluss

Nachdem ich die Mute-Taste auf der Fernbedienung gefunden hatte, konnte ich mich dann aber in Ruhe durch einen üppigen CD-Stapel hören – und bereits bei den ersten Takten stellte sich Begeisterung ein: Der Phaethon spielt rhythmisch packend und rasiermesserscharf auf den Punkt, zeigt dabei jedoch nicht einen Anflug von Härte im Charakter. Ganz im Gegenteil ist er ein Ausbund an Klangfarbenreichtum. Ich muss spontan an einen guten Rotmarderpinsel denken: Seine Aufgabe ist es nicht nur, möglichst viel Farbe zu halten, sondern auch, diese so kontrolliert wie möglich abzugeben. Besonders deutlich wird diese Fähigkeit bei „Tamacun“ von Rodrigo y Gabriela (Rodrigo Y Gabriela) – in einer Passage wiederholt sich ein Melodielauf erst sanft und weich, dann immer energischer gespielt. Selten habe ich die Abstufungen in der Intensität der Dynamik wie auch der Klangfarben der Gitarre so weit aufgefächert gehört! Diese Vorstellung hat absolut gar nichts mit dem Klischee der beliebten Verzerrungen zweiter Ordnung zu tun, die die Musik einfach im Ganzen schön einfärben – der Phaethon hat eimerweise Klangfarben in der Reserve, dosiert sie aber stets exakt so, wie die Aufnahme es gebietet.

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Um mich zu vergewissern, dass er auch wirklich verfärbungsfrei arbeitet, lege ich Dianne Reeves’ „Tenderly“ (The Grand Encounter) ein, das sie im Duett mit Joe Williams singt – einem der wenigen Jazz-Vokalisten, die eine klassische Gesangsausbildung genossen haben. Die Authentizität der Stimmwiedergabe zeigt sich als über jeden Zweifel erhaben. Hier fasziniert mich zudem die Feinauflösung des Verstärkers, wobei diese allerdings einen etwas anderen Charakter zeigt als gewohnt: Neigen besonders auf Information gezüchtete Komponenten gerne dazu, jedes platzende Speichelbläschen quasi unter dem Vergrößerungsglas nachzuzeichnen, bietet sich mir hier stattdessen eine vollkommen unangestrengte Präsentation, bei der ich den Eindruck gewinne, die Stimmen der Sänger auf ihrem gesamten Weg vom Zwerchfell über die Lungen und Lippen in den Raum nachverfolgen zu können, wodurch die beiden unwahrscheinlich körperlich im Raum zu stehen scheinen. Hier wirken Auflösung von Binnendetails und hervorragende Feindynamik zusammen, um einen enorm natürlichen Gesamteindruck hervorzurufen. Die Bühnenabbildung in ihrer Gesamtheit ist dabei nicht sagenhaft breit oder tief, vielmehr nimmt sie durchaus realistische Ausmaße an; alle Schallereignisse werden nicht nur punktgenau platziert, sondern haben stets genug Luft, um sich vollkommen natürlich aufzubauen, zu entwickeln und aufzulösen.
Mit dem Ypsilon Phaethon demonstriert Demetris Backlavas eindrucksvoll, dass technischer Fortschritt auch in vermeintlich ausentwickelten Bereichen der HiFi-Technik möglich ist. Innerhalb klassischer Schaltungsideen hat er hier konsequent quer zur Faser gedacht, bekannte Elemente auf revolutionary Art miteinander kombiniert und so einen Verstärker geschaffen, der zum Besten zählt, was ich in unserem Hörraum begrüßen durfte. Hut ab!

Ypsilon Phaethon

Vollverstärker

Ypsilon Phaethon

Konzept: Hybrid-Vollverstärker mit „Bridged Single-Ended“-Ausgangsstufe
Leistung (8/4 Ω): 110 W/180 W
Leistungsaufnahme: 125 W Leerlauf
Übertragungsbereich (−3 dB): 11 Hz bis 75 Hz
Eingänge: 3 x unsymmetrisch (RCA), 1 x symmetrisch (XLR)
Eingangsimpedanz: 47 kΩ
Besonderheiten: transformatorbasierte Lautstärkeregelung, getrennte Stromversorgung für Röhren- und Ausgangsstufe
Ausführungen: Schwarz, Silber
Maße (B/H/T): 40/19/43 cm
Gewicht: 35 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: ab 16 500 €; Testversion Silver Edition 31 500 €

WOD Audio

Werner Obst
Westendstraße 1a
61130 Nidderau
Telefon +49 6187 900077
[email protected]

www.wodaudio.com

Mitspieler

CD-Player: Audio Note CD 3.1x/II, Ayon CD-3sx
Netzwerkplayer/DAC: Cambridge Audio CXN V2, X-odos Xo|stream professional, Lumin X-1
Vollverstärker: Aavik I-580, Trigon Exxceed
Vorverstärker: AVM Ovation SA 8.3, Luxman CL-1000
Endverstärker: AVM Ovation MA 8.3, Luxman M-10x
Lautsprecher: Wilson Audio Sasha DAW, Børresen Z5 Cryo, DALI Epicon 6, AudiaZ Cadenza
Rack: Creaktiv, Solidsteel
Kabel: in-akustik, AudioQuest, Furutech

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Knosti Disco-Antistat Ultrasonic

Knosti Disco-Antistat Ultrasonic

Knosti erweitert sein bewährtes Konzept mit der neuen Disco-Antistat Ultrasonic um einen Motor und verbesserte Waschleistung. Wir haben uns die neueste Version des Reinigungsklassikers angesehen.

Knosti Disco-Antistat Ultrasonic

Knosti versorgt Vinyl-Liebhaber seit 1978 mit Zubehör. Zu Recht darf man die preiswerte, manuell zu bedienende Plattenwaschmaschine „Disco Antistat“ der ersten Generation, die „Ur-Knosti“, als Klassiker bezeichnen. Sie ist seit Jahren in meinem Besitz und liefert ordentliche Ergebnisse, allein die Handhabung gestaltet sich etwas fummelig. Aus diesem Grund kam sie vorrangig bei der Erstwäsche von gebrauchten und verschmutzten Neuerwerbungen zum Einsatz. Das Handling wurde jedoch mit der vor ein paar Jahren erschienenen Generation zwei erheblich verbessert: durch eine winzige Kunststoffkurbel.

2021 veröffentlichte der Hersteller schließlich die erheblich aufwendiger konzipierte und kostspieligere Disco-Antistat Ultrasonic. Die geschwungene und merklich massivere Formgebung der aus hochwertigem, anthrazit eingefärbtem Kunststoff gefertigten Maschine gefiel mir auf Anhieb. Der Sockel und das Bedienungsfeld sind silberfarben abgesetzt, ein roter, mit LEDs bestückter Zierstreifen illustriert parallel zum Display den Ablauf des Waschvorgangs. Über die Taster wird die Maschine in Betrieb genommen, die Zeit des Waschvorgangs (maximal 5 Minuten) eingestellt und die Absaugpumpe aktiviert. Natürlich benötigt die nun vollständig elektrisierte Waschmaschine im Gegensatz zu ihren Urahnen einen Stromanschluss.

Knosti Disco-Antistat Ultrasonic
Erfreulicherweise sind neben der Waschmaschine an sich auch alle nötigen Verbrauchsmaterialien und Utensilien im Lieferumfang enthalten: Reinigungsmittel und bidestilliertes Wasser zum Ansetzen der Waschlösung sind ebenso beigelegt wie der Trockenständer. Die Reinigungslösung wird nach dem Waschvorgang durch einen Filter abgesaugt und kann wiederverwendet werden.

Trotz aller Unterschiede teilt die Disco-Antistat das Grundprinzip ihrer Vorfahren: Die Vinylscheiben werden in einem Bad mit Reinigungsflüssigkeit durch zwei gegenüberliegende Ziegenhaarbürsten gedreht. Dieses geschieht jedoch nicht mehr manuell, sondern über eine motorbetriebene Achse. Zusätzlich erleichtert wird die Prozedur durch eine Pumpe, die nach dem Waschvorgang die Flüssigkeit durch einen Filter absaugt. Die größtenteils von Rückständen befreite Flüssigkeit kann anschließend für weitere Waschvorgänge verwendet werden – ein begrüßenswert-sparsames Verfahren.

Die eigentliche Verbesserung der Reinigungsleistung wird (der Produktname weist bereits darauf hin) durch den Einsatz eines Ultraschallgenerators erreicht. Durch die Ultraschallenergie werden in der Reinigungsflüssigkeit Kavitationsbläschen erzeugt – kleinste, extrem schnell entstehende und wieder zerplatzende Dampfbläschen –, die Verschmutzungen regelrecht aus den Plattenrillen heraussprengen. Im Telefonat erläuterte mir der Hersteller, dass der Ultraschallgenerator speziell auf die Anforderungen der Schallplattenreinigung abgestimmt wurde. Entscheidend sei die Größe der Kavitationsbläschen und die Intensität der eingebrachten Energie. Bei der gewählten Frequenz von 43 Kilohertz dringen die Bläschen tief genug in die Rillen, ohne zu erhöhtem Verschleiß zu führen. Die neue Reinigungsflüssigkeit „Disco-Antistat Ultraclean“ wurde ebenfalls speziell hierfür entwickelt.

Knosti Disco-Antistat Ultrasonic
Die Namengebende Besonderheit der Disco-Antistat Ultrasonic ist der Kavitationsblasengenerator, der winzige Vakuumbläschen in der Reinigungsflüssigkeit erzeugt, die unmittelbar nach ihrem Entstehen zerplatzen und so Verschmutzungen aus den Plattenrillen heraussprengen. Entscheidend ist dabei die richtige Frequenz – Knosti wählt hier 43 Kilohertz – die die Bläschengröße so steuert, dass im Ergebnis eine Effektive Reinigung erzielt wird, ohne das Vinyl über Gebühr zu strapazieren.

Der Praxistest begann mit der Auswahl geeigneter Probanden. Ich stellte sie nach drei verschiedenen Kriterien zusammen: Schwer mitgenommene Scheiben, die das Tageslicht seit den 70er Jahren nicht erblickt hatten, mehrfach gewaschene Platten, die immer noch leichte, aber hartnäckige Verschmutzungen zeigten, und neue bzw. neuwertige, die eine Wäsche nötig hatten.

Aus Erfahrung mit der Ur-Knosti baute ich die Disco-Antistat Ultrasonic auf der Küchenarbeitsplatte neben der Spüle auf. Im Nachhinein eine unnötige Maßnahme, da die neue Absaugpumpe die „Wasserspiele“ erheblich entschärft. Erfreulich ist, dass alle notwendigen Utensilien inklusive einer reichlichen Menge an Reinigungsflüssigkeit mitgeliefert werden. Diese wird in der Mischflasche aus Konzentrat und bidestilliertem Wasser angesetzt. Anhand der Markierungen auf der Flasche ist das richtige Mischverhältnis leicht einzuhalten.

Ich montierte die erste Schallplatte (Carmina Burana von MFSL, ein Flohmarktkauf) in die Etikettenabdeckung, zwei Halbschalen mit Dichtungslippe und Antriebsachse. Das Ganze wanderte in die befüllte Reinigungswanne, wobei zu beachten ist, dass die Achse in der Antriebseinheit einrastet. Nach einem längeren Druck auf dem Einschalttaster verkündet das Display Startbereitschaft. Gemäß dem Motto „Viel hilft viel“ stellte ich die maximale Zeitvorwahl von fünf Minuten ein. Die nacheinander aufleuchtenden Balken zeigten den Beginn des Reinigungsvorgangs an.

Knosti Disco-Antistat Ultrasonic

Es hat durchaus etwas Meditatives, die drehende Schallplatte, die kleinen sich kräuselnden Wellen und die heruntertickende Anzeige zu beobachten. Der im Intervall zugeschaltete Ultraschall-Generator verstärkt diesen Effekt mit seinem leisen Brummen. Nach erfolgter Wäsche nahm ich die Platte aus dem Behälter, nach wie vor ein etwas fummeliges Prozedere, das aber nach ein paar Versuchen immer flinker von der Hand geht, und ließ sie über dem Reinigungsbad etwas abtropfen. Jetzt nur noch die Etikettenabdeckung abschrauben und die Platte in den Trockenständer stellen. Geschafft!

Die restlichen Probanden genossen die gleiche Behandlung, und nach schätzungsweise 20 Minuten konnten die trockenen Platten wieder in ihre Hüllen wandern. Am unteren Plattenrand verbliebene Tropfen der Reinigungsflüssigkeit konnte ich mit dem beiliegenden Mikrofasertuch rückstandslos entfernen.

Zum Rückbau der Waschanlage öffnete ich die seitliche Gehäuseklappe, um den Ablaufschlauch in die Reinigungsmittelflasche zu stecken. Sinnvollerweise steht diese auf einem Niveau unterhalb der Maschine, um die vollständige Entleerung zu gewährleisten. Nach Öffnung des Schlauchventils kann die Pumpe eingeschaltet werden, der Abschaltvorgang erfolgt automatisch. In der Reinigungswanne verbliebene Tropfen können mit dem beiliegenden Schwämmchen entfernt werden.

Bildergalerie
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Das Resultat des Waschvorgangs struggle überzeugend. Optisch strahlten die Scheiben in makellosem Glanz. Auch ein Vergleich mit der Lupe zeigte deutlich weniger Schmutzpartikel in den Rillen. Statische Aufladungen des Vinyls werden zuverlässig abgeführt. Die entscheidende akustische Prüfung des Ergebnisses fiel ebenfalls erfreulich aus: Fast alle Platten klangen nach der Reinigung transparenter, klarer, eben „wie frisch gewaschen“, das Knistern bei leisen Passagen wurde merklich reduziert. Aufgrund ihrer hohen Dynamik struggle die bereits erwähnte Carmina Burana-Aufnahme ein exzellentes Beispiel für die Reinigungsleistung.

Verarbeitung und Haptik sind dem Preis angemessen, die etwas aufwendigere Handhabung empfiehlt Knostis Disco-Antistat Ultrasonic besonders für Plattensammler, die eine größere Anzahl ihrer geliebten Scheiben vom Schmutz befreien wollen und sich hierfür bewusst Zeit nehmen: idealerweise mit ein bis zwei zusätzlichen Trockenständern, die für rund 15 Euro erhältlich sind. Schnelle Spontanwäschen sind ebenfalls drin, doch lohnt es sich kaum, den Antistat für nur eine Scheibe startklar zu machen. Die Waschleistung steht derweil außer Frage: Im Ergebnis kann sich Knostis Legende mit deutlich kostspieligeren Maschinen messen.

Knosti Disco-Antistat Ultrasonic

Technische Daten

Plattenwaschmaschine Knosti Disco-Antistat Ultrasonic

Konzept: vollautomatische Plattenwaschmaschine mit Ultraschall
Bedienung: programmierbare Waschdauer (max. 5 min)
Zubehör: 200 ml Reinigungskonzentrat, 1 l hochreines Wasser, Mikrofasertuch, Etikettenabdeckung inkl. Achse mit Magnetankopplung, 12-V-Steckernetzteil, Trockenständer, Schwammpinsel, Mischflasche (zur Zubereitung der Reinigungsflüssigkeit)
Maße (B/H/T): 36/24/18 cm
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 1250 €

Kontakt

Knosti Phono-Zubehör
Gewerbering 4
86666 Burgheim
Telefon +49 8432 94870
[email protected]

www.knosti.de

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WOLF VON LANGA Serendipity

WOLF VON LANGA Serendipity

Die WOLF VON LANGA Serendipity offenbart entwicklungstechnische Finesse jenseits ausgetretener Pfade.

WOLF VON LANGA Serendipity

In aller Kürze:
Ein ungewöhnlicher Lautsprecher für außerordentliche Ansprüche: Wolf von Langa beweist mit der Serendipity, dass Entwicklermut für das gewisse Etwas sorgen kann.

WOLF VON LANGA Serendipity


Bereits beim Entnehmen der WOLF VON LANGA Serendipity aus ihrer Transportbox wird klar, dass wir es hier nicht mit einem gewöhnlichen Lautsprecher zu tun haben: Auf immerhin drei Gehäuseseiten verteilen sich die Chassis, ein für das Volumen unerwartetes hohes Gewicht und ein in der Haptik ungewohntes Korpusmaterial. Dies alles macht schnell deutlich, dass WOLF VON LANGAs neue Kleine kein Produkt von der Stange ist. Natürlich gehören die Lautsprecher mit der Frontgröße eines Plattencovers auf ein ordentliches Paar Ständer, wobei das hervorragend verarbeitete und vorbildlich versteifte Gehäuse aus teilkarbonisiertem Faserverbund- und acrylgebundenem Mineralwerkstoff die Ständerwahl auch nicht zur Raketenwissenschaft macht. Schwer und stabil sollten sie sein, denn eine einzelne Serendipity bringt immerhin elf Kilogramm mit sich, aber gegenüber solchen Spielereien wie Ankopplung oder Abkopplung haben sich die LANGAschen Würfel bei mir erstaunlich immun gezeigt. Diese Unbekümmertheit gilt auch grundsätzlich für die Aufstellung. Hier bringt die Serendipity eine Eigenschaft mit, die man auch aus dem Studiobereich kennt: Die Qualität eines Lautsprechers bemisst sich nicht daran, wie mimosenhaft er sich verhält, sondern daran, wie unkompliziert er im Alltag zu hervorragenden Ergebnissen führt.

WOLF VON LANGA Serendipity
Kompakter Würfel, schwerer Würfel: Man sollte WOLF VON LANGAS Serendipity trotz ihrer kompakten Maße nicht unterschätzen. Die Gehäuse der Lautsprecher basiert auf Platten aus teilkarbonisiertem Faserverbund- und acrylgebundenem Mineralwerkstoff, die so verbunden werden, dass „kleine gebrochene Phasen“ entstehen, die das Rundstrahlverhalten verbessern. Mit je 11 Kilogramm sind die Boxen erstaunlich schwer – und ihre Gehäuse entsprechend ruhig.

Stimmen sind nicht einfach Stimmen

Und ganz hervorragende Ergebnisse werden bereits beim ersten, eher unbedarften Hören ohrenfällig. Leonard Bernsteins Divertimento in der formidablen Aufnahme von Reference Recordings klingt in allen Bereichen wesentlich größer und wuchtiger, als es die Größe der Serendipity vermuten lässt. Die Streicher spannen sich weit in den Raum, die Holzbläser spielen auf den Punkt, Posaunen und Schlagwerk machen sich mit echtem und vor allem präzisem Tiefbass bemerkbar, der dennoch wunderbar ausschwingt. Ein Klangereignis, das ich umso erstaunlicher fand, als ich die Lautsprecher noch nicht einmal perfekt ausgerichtet hatte. Nachdem ich dann mit Zentimeter- und Augenmaß die offenbar passende Aufstellung gefunden hatte, tat sich gar Erstaunliches auf … Es gibt ja die ein oder andere Floskel, für die man eigentlich immer fünf Euro in das Phrasensparschwein des HiFi-Journalismus werfen müsste. Eine dieser Floskeln lautet, dass man dieses oder jenes Musikstück so noch nie gehört habe. Nicht selten wird dieser Satz dann auch als Darstellung des Nonplusultra interpretiert, dabei steht diese Formulierung doch eher für das Erstaunen, für eine neue akustische und auch ästhetische Wahrnehmung. Und so gebe ich an dieser Stelle erstaunt und auch begeistert kund, dass ich Stimmen so noch nie vernommen habe wie mit der Serendipity. Dabei meine ich nicht die berühmten highendigen Frauenstimmen mit ihrem ach so betörenden Schmelz oder Baritonstimmen mit sonorem Brustkorbtimbre, nein, ich ziele schlichtweg auf die Stimmverständlichkeit, insbesondere dann, wenn wir uns im Bereich Sprechgesang bewegen, sei es beim Opernrezitativ, avantgardistischen Melodramen, Rap oder Spoken Word.

Folgen Sie mir dafür für einen Moment in die wunderbaren Songs For Drella des Meisterduos Lou Reed/John Cale aus dem Jahr 1990. Wenn sich Reeds Stimme bei „Open House“ vor einem tieffrequenten Synthesizer-Teppich erhebt, dann ist nicht nur jede Silbe absolut trennscharf zu verstehen, es scheint auch, als trete diese minimal in den Vordergrund, um nicht bloß ein Organ zwischen den Instrumenten zu bleiben. Das geschieht aber vollkommen unaufdringlich, ohne irgendein der Linearität und Neutralität der Lautsprecher widersprechendes Sounding. Die Stimme ist nur ganz einfach da und hat uns mit ihrer ganz eigenen Qualität etwas mitzuteilen. Hören wir anschließend die hervorragende Neueinspielung der Serenade für Tenor, Horn und Streichorchester von Benjamin Britten mit Andrew Staples und dem Swedish Radio Symphony Orchestra unter Daniel Harding, dann gelingt es mühelos, die feinen affektiven Schattierungen der Gesangsstimme den textlichen Facetten zuzuordnen. Und in diesem Kontext hört man tatsächlich liebgewonnene Aufnahmen, die einen seit Jahren begleiten, auf wundersame Weise ganz neu und anders. Bleibt die Frage: Warum ist das so?

WOLF VON LANGA Serendipity
Gleich vier Treiber stecken in jedem der Lautsprecher. Oben Rechts erkennen Sie den Tweeter, unverkennbar ein Air Motion Transformer (AMT). Die übrigen Chassis sind prinzipiell identisch. Es handelt sich um 13-Zentimeter-Tief-/Mitteltöner. Zwei der Lautsprecher sind allerdings passiv ausgelegt, was man unten Rechts und oben Links am fehlenden Magnetsystem erkennt.

Frei von Zwängen aller Art

Spricht man mit Wolf von Langa über diesen subjektiven Höreindruck und sucht nach objektiven technischen Kriterien für diese Lautsprecherspezifik, kommt von Langa vor allem auf die Vermeidung auch kleinster Verzerrungen im gesamten System zu sprechen, die die klangliche Reproduktion in irgendeiner Form gegenläufig beeinflussen könnten. Da von Langa diesen Ansatz konsequent auf allen Ebenen des Lautsprechers verfolgt, erhält man in der Summe eben diesen Höreindruck absoluter Klarheit vor allem im Stimmbereich. Dass neben dieser Transparenz Stimmen und Soloinstrumente aber auch ausgesprochen klangschön und alles andere als analytisch oder gar aseptisch klingen, liegt an der geschickten Kopplung des Tiefmitteltöners mit den beiden Passivmembranen, die diesen im Bassbereich entlasten, sodass sich der für die Farbigkeit so wichtige Mittenbereich voll entfalten kann. Im konkreten Detail haben wir es mit folgendem stringent durchdachten System zu tun: Das Tieftonfundament wird durch zwei gegenüberliegend angeordnete Membranen reproduziert, die das aktive Tiefmitteltonsystem im unteren Frequenzbereich mechanisch von seiner Arbeit weitgehend befreien, wodurch die mittleren Frequenzen befreiter aufspielen können. Die gegenüberliegende Positionierung der Tieftoneinheiten mit großem Bewegungshub führt zudem zu einem Kräfteausgleich der unerwünschten Gehäusevibration. Gleichwohl ist die freiwerdende Energie so bemessen, dass die nach innen gerichteten passiven Membranen auch bei großer Lautstärke nicht interagieren.

WOLF VON LANGA Serendipity
Für mehr Präzision in der Abbildung – die Serendipity wurde so entwickelt, dass sie auch als Nahfeld-Monitor im Studio funktioniert – ist der AMT-Tweeter merklich seitlich versetzt angeordnet.

Bitte einen Bass

Was den Bassbereich selbst anbelangt, kann man im Gegensatz zur Gehäusegröße wirklich von ganz großem Kino sprechen. Bereits das Gewicht lässt ja erahnen, dass wir es hier nicht mit einem leichtgewichtigen Fliegenfänger aus der Kategorie Kompaktbox zu tun haben. Auch wenn der Lautsprecher bei 48 Hertz nach unten gedeckelt ist, so erklingt dieser Frequenzbereich dennoch dermaßen präsent, dass sich in einem Hörraum mit ca. 30 Quadratmetern das Problem Tiefbass ein für alle Mal erledigt haben sollte. Ob nun das tumultuöse Paukensolo zu Beginn des Finales aus Mahlers Siebter Sinfonie in der straffen Interpretation Georg Soltis uns in den Sessel drückt oder die typischen gebrochenen Electro-Beats LTJ Bukems ohne jede erkennbare Kraftanstrengung durch den Raum hüpfen, immer schiebt die Serendipity tiefste Frequenzen vor sich her, die einen Kollegen zu der Frage verleiteten, wo ich denn den Subwoofer versteckt habe.

WOLF VON LANGA Serendipity
Für maximale Geschwindigkeit hat WOLF VON LANGA die Anzahl der verwendeten Weichen-Bauteile bewusst schlank gehalten. Dafür ließ er bei der Auswahl jeder eingesetzten Zutat besondere Sorgfalt walten. Alternativ zu unserem (integrierten) Testmuster ist übrigens eine zweite Ausführung der Serendipity erhältlich, deren Frequenzweiche in ein separates Gehäuse ausgelagert ist.

Das etwas andere Konstruktionskonzept

In unserem Gespräch verweist Wolf von Langa mehrfach darauf, dass nach seiner Überzeugung die musikalische Qualität eines Lautsprechers aus dem Antrieb heraus resultiert. Bei herkömmlichen Magnetsystemen und Schwingspulen haben seine Messungen ergeben, dass die auf die gesamte Bewegungsgruppe eines Lautsprechers wirkende Kraft bei unterschiedlicher Auslenkung stark variiert. Letztlich werde bei herkömmlichen Lautsprechern die Membran dann von unterschiedlich starken Kräften getrieben, die zu Unsauberkeiten der Musikreproduktion führten. In der Abkehr von dieser Konstruktionsphilosophie sieht er dann das Alleinstellungsmerkmal seiner Lautsprecher. Bei der WOLF VON LANGA Serendipity spricht er auch gerne von einem magnetischen „Zwölfzylinder“. Welche Entwicklungsarbeit im Detail in von Langas jüngstem Spross steckt, magazine der folgende Blick auf den Produktionsprozess zeigen: Durch nanometergenaue Weißlicht-Interferometer zur absoluten Messung von Weg, Abstand und Zeitverhalten wird angestrebt, die Modulation des Kraftfaktors auf das absolute Minimum zu reduzieren. Nach idealer Ausformung der ferromagnetischen Bestandteile des Magnetsystems für die überhängige Schwingspule werden außerdem elektrisch bedämpfende Ringe und ein weiterer Magnet an entsprechender Stelle eingesetzt. Damit auch der elektromechanische Gegenpart den Qualitäten des Magnetsystems entspricht, wird die Schwingspule verschachtelt auf einen dämpfungsfreien Träger gewickelt und so positioniert, dass bei dynamischer Anregung nur geringste nichtlineare Verzerrungen entstehen. Das Resultat dieser aus dem Antrieb der Lautsprecher heraus entwickelten Klangphilosophie ist eine ungemein fokussierte und rhythmisch auf den Punkt spielende Musikdarstellung, und das vollkommen unabhängig vom gewählten Genre.

WOLF VON LANGA Serendipity
Hier kann man eine der zentralen Besonderheiten des Tief-/Mitteltöners und der beiden seitlich verbauten Radiatoren erkennen: Die drei Chassis werden von einem Schlauch aus vulkanisiertem Kautschuk geführt, der über eine intestine erkennbare Struktur verfügt. Der vermindert die Verzerrungen der Membran.

Der Blick für das Detail

Je länger man sich mit Wolf von Langa unterhält, desto mehr springt dessen Begeisterungsfähigkeit für einzelne Details auf den Gesprächspartner über. Man merkt, hier spricht kein Entwickler, der sich mit erreichten 99 Prozent zufriedengibt oder bestimmte Lösungen Intuition und Zufall überlässt. Betrachtet man Wolf von Langas jüngstes Meisterwerk, so muss man schlichtweg festhalten, dass sich Individualität im Lautsprecherbau definitiv lohnt. Dabei ist es zunächst unerheblich, ob es sich um „alte“ oder „neue“ Konstruktionstechnik handelt, entscheidend ist der Blick für das Detail und der Wille, den Blick auch auf scheinbare Nebensächlichkeiten zu legen. So sind etwa Frequenzweichen und Lautsprecheranschlüsse mit einem filigranen Signalleiter aus reinem Kupfer ausgestattet. Durch die Masseoptimierung der Signalleiter sollen dann Massespeichereffekte und Wirbelströme minimiert werden. Es sind eben Details wie diese, von denen noch etliche mehr aufzuzählen wären, die zu dem spezifisch involvierenden Klangcharakter der Serendipity führen. Sicher, es gibt sehr gute Lautsprecher von der Stange, außergewöhnliche Lautsprecher verlangen aber außergewöhnliche Lösungen und einen individuellen Kopf wie Wolf von Langa, der sich traut, auch wenig bis gar nicht ausgetretene Pfade zu begehen.

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Info

Lautsprecher

WOLF VON LANGA Serendipity

Konzept: passiver 2-Wege-Kompaktlautsprecherr mit vibrationshemmend angeordneten Passivmembranen
Frequenzgang (±2,5 dB): 48 Hz bis 22 okHz
Leistungsaufnahme max.: 150 W
Nominalimpedanz: 4 Ω
Kennschalldruck: 88 dB bei 2,83 V/1 m
Maße (B/H/T): 24/35/30 cm
Gewicht: 11 kg
Ausführungen: Schwarz/Davos Weiß, Schwarz/Vulkanschwarz, Schwarz/Avana Grau, Schwarz/Sterneschwarz, Rot/Vulkanschwarz
Garantiezeit: 2 Jahre (5 Jahre nach Registrierung)
Preis: um 8960 €

Kontakt

Christine von Langa
Rödlas 54
91077 Neunkirchen am Brand
Telefon +49 9192 9969-26

www.wolfvonlanga.de

Mitspieler

Vollverstärker: Cyrus Straight Line, Thöress F2A11
Endverstärker: Luxman M-03, Yamaha P2500S
Lautsprecher (passiv): Magnepan 1.5, KEF LS 50, Triangle Zerius
Aktivlautsprecher: KRK VXT 8
Kopfhörer: Focal Utopia, Beyerdynamic T5p
Kabel: Van den Hul, Vovox, Sommer
Zubehör: Oyaïde, Oehlbach, Creaktiv

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Musical Fidelity M6x

Musical Fidelity M6x

Nein, Nachholbedarf im Digitalen hat Europa nicht: Der Musical Fidelity M6x DAC dürfte sich spielend an der Weltspitze behaupten – und kostet trotzdem nicht die Welt.

Musical Fidelity M6x DAC

In aller Kürze:
Der D/A-Wandler M6x von Musical Fidelity bereitet digitale Signale auf – und bleibt dabei aber konsequent analytisch.

Musical Fidelity M6x DAC


Ein DAC ist ein DAC ist ein DAC: das Gerät, dessen Bedeutung im Bekanntenkreis am schwersten zu vermitteln ist. Ja, ein Plattenspieler! Das ist ein hochempfindliches mechanisches Gerät, dem man sich nur gemessenen Schrittes und mit einer guten Haftpflicht nähern darf. Aber ein Wandler? Digital ist digital, und digital ist besser. Solche Ansichten sind natürlich eher im Bereich der „Fake News“ anzusiedeln. Das CD-Zeitalter struggle eine Phase, in der Musik ein standardisiertes Industrieprodukt struggle, mit dessen Einzelspezifikationen man sich auch als interessierter Musikliebhaber nicht wirklich auseinanderzusetzen hatte. Ab 1980 regelte der recht übersichtliche Redbook-Standard alles, was Toningenieure und Hardware-Hersteller wissen mussten. Dies hat sich deutlich gewandelt: Die Vielfalt an digitalen Formaten ist erdrückend, und nicht jedes Gerät, das prinzipiell irgendeinen Codec verarbeiten kann, kann dies gleich intestine.

Musical Fidelity M6x DAC
Musical Fidelity bleibt sich beim M6x DAC seiner geradlinigen Designsprache treu und verzichtet auf etwaige hochauflösende Displays. Stattdessen informiert eine kleine Armada an LEDs an der Front dezent, aber klar und ausführlich über den Betriebszustand: Von der Samplerate über Filterwahl bis hin zur angewählten Quelle lassen sich alle Parameter auf einen Blick ablesen. Dank der zwischen fixem und variablem Pegel umschaltbaren Ausgangsstufe lässt sich der M6x auch als Vorverstärker einsetzen.

Auftritt: der neue Oberklasse-DAC aus dem Hause Musical Fidelity, der M6x. Er folgt auf den vielgelobten M6, dessen Ursprungsvariante per Modellpflege bis zur Roon-Zertifizierung aufgepimpt worden struggle. Zeit additionally, die Sache noch einmal grundsätzlich und ganz von vorn anzugehen. Es handelt sich weiterhin um einen Stand-alone-DAC, der sich auf seine eigentliche Aufgabe besinnt: das Vorbereiten und Umwandeln digital angelieferter Signale zur analogen Weiterverschickung. Das Gerät hat additionally nicht noch einen Nebenjob als Streamer und zieht sich die Signale nicht eigenständig aus dem Netz. Trotzdem ist das Gehäuse groß und majestätisch: Hinter der oben wie unten abgeschrägten Aluminiumfront geht es stolze 30 Zentimeter in die Tiefe. Genug Platz additionally auf der Platine und drumherum, um Bauteile und Schaltungen angemessen weit entfernt voneinander zu platzieren. Auch ein Vorverstärker hat Platz gefunden, so lässt sich auch ein Endverstärker direkt ansteuern. Rückseitig finden sich fünf digitale Eingänge von USB bis AES/EBU, raus geht es per RCA oder XLR (oder über die frontseitige Kopfhörerklinke). Man sieht: Auf eine halbherzige Konnektivitäts-Bonanza wird zugunsten von Hochwertigkeit verzichtet. Die Optik ist wie immer klassisch: Die blauen Signal-LEDs sind übersichtlich und nach nachvollziehbaren Themen – Output, Input, Filter, PCM-Samplerate der anliegenden Quelle and so forth. – angeordnet und bei gedimmter Raumbeleuchtung wirklich anmutig anzusehen. So weiß man immer, was das Gerät gerade macht, und braucht kein Display, das als zusätzliches Element Einstreuungsrisiken unnötig erhöhen würde.

Musical Fidelity M6x DAC
Eingangsseitig bietet der M6x keinen Überfluss, wohl aber eine vollständige Suite an Anschlüssen: Er lässt sich mit bis zu zwei Zuspielern per Toslink verbinden, Koaxial und AES/EBU sind ebenfalls an Bord. Auf der Ausgangsseite hat der Nutzer die Wahl zwischen RCA und XLR.

Digitale Signale sind nicht minder empfindlich als analoge, nur weil sie eben digital sind. In der Praxis fließt auch hier analoger Strom in Form einer Rechtecks-Wellenform. Und genau deshalb können auch in die binäre Darstellung unerwünschte Bestandteile hineingeraten. Außerdem kann ein Wandler – in diesem Fall zwei ESS-ICs von Sabre für einen konsequenten Dual-Mono-Aufbau des gesamten M6x – zwar zwischen Null und Eins unterscheiden, wann sie aber angeliefert werden, kann er nicht vorausahnen. Wie immer ist Timing aber alles. Musical Fidelity löst dies durch ein dreifaches Reclocking – gewissermaßen vorne, in der Mitte und hinten –, um die Null-Eins-Übergänge sauber zu takten, sodass ein möglichst idealtypischer Rechteckverlauf des Signals angeliefert wird. Gewandelt wird dann ESS-typisch mit 32 Bit, was einen hohen Dynamikumfang und einen hohen Grad an Verzerrungsfreiheit verspricht.

Bevor es aber so weit ist, lässt sich das Signal per Taster durch sieben voreingestellte Rekonstruktionsfilter schicken. Diese nehmen Einfluss auf Größen wie auf Aliasing und Vorschwingen und reichen von moderaten Eingriffstiefen bis zum heftigen „Brickwall“-Filter: Der verzögert das Signal und verstärkt somit das Vorschwingen. Klanglich muss man sich diese Einstellung in etwa so vorstellen wie zu Beginn des CD-Zeitalters, als der Sound ungewohnt kristallin daherkam und so manche Merkwürdigkeiten bei der Wiedergabe von hohen, perkussiven Instrumenten aufwies. Wie die Filter sich bemerkbar machen, ist in hohem Maße von der Quelle und der Aufnahme abhängig. Mal tritt der Bass deutlicher hervor, mal erscheinen die Höhen transparenter, mal gewinnt das Klangbild an Räumlichkeit, mal wird die Wiedergabe fokussierter – und mal sind es eher feine Nuancen. Mit dem achten Preset lässt sich der Filter umgehen. Schon bald möchte man diese Möglichkeiten nicht mehr missen: Denn so lassen sich qualitativ unterschiedliche Zuspieler und die schwankende Qualität von Audiomaterial von Fall zu Fall sehr intestine managen. Das macht richtig Spaß.

Musical Fidelity M6x DAC

Und genau hier liegen die Qualitäten des DAC: Man kann ihm getrost alles anvertrauen. Jürgen Reichmann vom deutschen Vertrieb bringt es auf den Punkt: „Auch ein Feinschmecker isst manchmal eine Leberkäsesemmel.“ Anders gesagt: HiRes-Files sind eine schöne Sache, aber wer hätte sich nicht schon dann und wann dabei ertappt, per Bluetooth einen Radiosender zu streamen? Entsprechend hat man bei Musical Fidelity stets darauf gesetzt, Eingangssignale grundsätzlich mit Up- bzw. Oversampling und Reclocking aufzubereiten. Weil sich seitens der Quellen die Qualität des angelieferten Materials allerdings allmählich nach oben entwickelt, lässt sich die Bearbeitung mit dem 6x minutiös beeinflussen – was den DAC buchstäblich zur digitalen Schaltzentrale macht.

Diese Qualitäten zeigen sich klanglich auf einem wirklich beeindruckenden Level. Der M6x ist mit einem Preis unterhalb von 2500 Euro ein wirklich erschwingliches Gerät, das sich deutlich teurer anhört. Im Testumfeld spielt er den Cambridge Audio CXN erwartungsgemäß mühelos an die Wand, wertet den TEAC UD-701N mit einem deutlichen Mehr an Transparenz und Basskontrolle auf und veredelt auch den alten Creek-CD-Spieler, der schon so manch teures Gerät in die Flucht geschlagen hat, noch einmal merklich.

Musical Fidelity M6x DAC

Diese Qualitäten zeigen sich sehr hörbar – wenn es beispielsweise darum geht, die „Twin Guitars“ der Rolling Stones zu entwirren. Dieses mit Ron Wood perfektionierte Konzept sieht vor, Gitarrenfiguren möglichst ununterscheidbar zu machen. Trotzdem erwarten Stones-Hörer eine klare Herausstellung des Spiels von Keith Richards, denn der ist ja der Chef. Generationen von Tontechnikern haben sich an diesem Paradoxon abgearbeitet. Hören wir, was Don Was auf A Bigger Bang daraus gemacht hat. Dieses Album hat die Besonderheit, die Stones wir eine punkige Garagenband klingen zu lassen, dies aber mit den allerteuersten – und allerdigitalsten – Produktionsmitteln. Im Ergebnis klingt die ganze CD, als hätte man die Summe über das billige, aber mächtige „Maximizer“-Plug-in von Cubase geroutet: die Gitarren laufen ineinander, Charlie Watts klingt, als hätte er Bizeps wie Dolph Lundgren in Masters of the Universe – von den Becken sind eigentlich nur Obertöne zu hören. Aber siehe da: Die „Linear section quick roll off“-Einstellung des Filters rückt die Slidegitarre und die Solo-Einwürfe von Ronnie einerseits und die mächtigen rhythmischen Hiebe von Keith andererseits intestine gestaffelt voneinander ab. Eine der vollendetsten Ausarbeitungen der „Twin Guitars“ findt sich auf Emotional Rescue. Hier merkt man schon (und zwar ganz ohne Filter), wie der Creek auf „Let Me Go“ eine Menge durcheinanderbringt, die spielerisch abgedämpften und technisch verhallten Surf-Sechzehntel von Ron Wood projiziert der Musical Fidelity deutlich präsenter.

Musical Fidelity M6x DAC
Nicht täuschen lassen: Der Reduktionismus in der Bauteilezahl hat nichts mit Sparsamkeit zu tun. Vielmehr bleibt – auch dank des großzügig dimensionierten Gehäuses – reichlich Luft zwischen den einzelnen Baugruppen, was elektromagnetische Interferenzen minimiert.

Dass man dem M6x vollends vertrauen darf, zeigt Spirit Of Eden von Talk Talk – ein Album, das zu schön ist, um es zu streamen, MQA hin, MQA her. In diesem Fall lohnt es sich, eine Ausnahme zu machen: Im Klangspektrum ist wirklich alles vertreten und penibel aufgelöst, dynamisch lässt der DAC die Flöhe husten und die Wände unvermittelt wackeln. Und: Das weitgehend natürliche Instrumentarium klingt auch so. Und so hat man in dem M6x einen verlässlichen Gefährten für den Parforceritt durch die Musiksammlung: Man kann verfolgen, welche Gitarren bei „The Dope Show“ von Marilyn Manson aus der Demoproduktion im finalen Mix geblieben sind, den Saitengeräuschen von Al Di Meola, John McLaughlin und Paco de Lucia auf Friday Night In San Francisco nachhorchen oder sich musikarchäologisch auf die Suche nach dem erhaltenen Teil der Radio Recordings von Wilhelm Furtwängler machen – denn es ist schon ein besonderes Erlebnis, Aufnahmen aus der Zeit kurz vor dem Zweiten Weltkrieg durch diese Leistungsschau heutiger Technik zum Funkeln zu bringen.

Keine Frage: Musical Fidelity ist mehr als nur ein würdiger Nachfolger des ja vielgerühmten Vorgängers gelungen. Im M6x lässt sich der digitale Teil der Wiedergabekette ungeachtet der musikalischen Situation zusammenführen – und zwar so, dass wirklich keine Wünsche mehr offenbleiben. Vor allem keine Wünsche nach einem teureren Gerät: Der M6x deklassiert so manchen Konkurrenten weit oberhalb seiner Preisklasse.

Musical Fidelity M6x DAC

Info

DAC Musical Fidelity M6x

Konzept: vollsymmetrischer D/A-Wandler mit „32 Bit Hyperstream II“-Technologie
Eingänge digital: 2 x optisch Toslink, 1 x S/PDIF, 1 x AES/EBU, 1 x USB-B 2.0
Ausgänge analog: 1 x unsymmetrisch (RCA-Cinch), 1 x symmetrisch (XLR), 1 x 6,3-mm-Klinke (Kopfhörerausgang)
Digitalformate: PCM bis 768 kHz, max. 32 bit; DSD256 (stereo DoP), DSD512 (stereo nativ)
Besonderheiten: Kopfhörerverstärker, acht umschaltbare Digitalfilter-Presets
Ausführung: Silber/Schwarz
Maße (B/H/T): 44/10/39 cm
Gewicht: 7 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 2400 €

Kontakt

Reichmann Audiosysteme
Graneggstraße 4
78078 Niedereschach im Schwarzwald
Telefon +49 7728 1064

www.reichmann-audiosysteme.de

Mitspieler

Verstärker: Creek Evo IA, TEAC AP-701
Lautsprecher: Neat Momentum 4i, Bryston Mini A, Focal Alpha 80
CD-Player: Creek Evo 2
DAC/Netzwerkplayer: Cambridge Audio CXN, TEAC UD-701N

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